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Eine neue Stärke jenseits des Kostenvorteils: Das duale Ausbildungssystem eröffnet einen neuen Wachstumspfad für den Industriecluster Taicang

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Erfahren Sie, wie das duale Ausbildungssystem Innovation und industrielle Weiterentwicklung für führende Unternehmen wie KERN-LIEBERS und IMS Gear in China fördert.

Eine neue Stärke jenseits des Kostenvorteils: Das duale Ausbildungssystem eröffnet einen neuen Wachstumspfad für den Industriecluster Taicang
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Die Stadt Taicang in der Provinz Jiangsu, strategisch gelegen an der Schnittstelle zwischen dem Wirtschaftsgürtel des Jangtse-Flusses und der integrierten Wirtschaftsregion des Jangtse-Deltas, gestaltet mit einem einzigartigen Entwicklungsmodell des dualen Systems die globale Industrielandschaft neu.

 

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Taicang sich damit über einen klassischen Industriecluster hinaus zu einem Zentrum deutsch-chinesischer industrieller Co-Innovation entwickelt. Das duale Ausbildungssystem ist ein zentraler Bestandteil des sogenannten „Taicang-Modells“. Bereits im Jahr 2001 führte Taicang als erste Stadt in China das deutsche Modell der beruflichen Bildung ein und gründete das erste Ausbildungszentrum für Facharbeiter im Land. Taicang ist nicht nur ein strategischer Standort für weltweit führende Unternehmen wie KERN-LIEBERS, TRUMPF und Schaeffler, sondern auch ein Innovations- und Testfeld für mehr als 60 international führende Unternehmen. 

 

Taicang hat sich damit über einen klassischen Industriecluster hinaus zu einem Zentrum deutsch-chinesischer industrieller Co-Innovation entwickelt. Das duale Ausbildungssystem ist ein zentraler Bestandteil des sogenannten „Taicang-Modells“. Bereits im Jahr 2001 führte Taicang als erste Stadt in China das deutsche Modell der beruflichen Bildung ein und gründete das erste Ausbildungszentrum für Facharbeiter im Land. 

 

In den vergangenen zwanzig Jahren wurden in der Region Taicang insgesamt 15 Ausbildungszentren nach dem dualen System aufgebaut. Die deutsche Industrie- und Handelskammer (IHK), eine Schwesterorganisation der AHK, übernimmt in Deutschland mehrere zentrale Funktionen – als Entwickler, Regulator und Zertifizierungsstelle. Durch die Einführung der IHK-Zertifizierungsstandards entwickelte die AHK erstmals duale Berufsbildungsstandards für China und ist heute der größte Anbieter deutscher Berufsqualifikationsprüfungen im Land. 

 

Dieses Modell hat die Nachfrage deutscher Unternehmen in China nach qualifizierten lokalen Fachkräften effektiv gedeckt und zugleich ein Beispiel für die integrierte Zusammenarbeit von Regierung, Unternehmen und Bildungseinrichtungen geschaffen. Davon profitieren sowohl die regionale Wirtschaft als auch Unternehmen und Fachkräfte.

 

Das duale System in Taicang kann als Verbindungsglied zwischen Schule und Unternehmen verstanden werden. Die stetig steigende Zahl von Absolventen trifft auf den wachsenden Personalbedarf deutscher Unternehmen vor Ort und schafft so einen positiven Entwicklungskreislauf. Für Unternehmen bedeutet die dreijährige, umfassende und qualitativ hochwertige Ausbildung eine enge Verbindung zur realen Arbeitsumgebung und damit eine nachhaltige Lösung für die Fachkräfteversorgung.

 

KERN-LIEBERS gehört zu den Pionieren des dualen Systems in Taicang. Herr Chen, Leiter des Ausbildungszentrums des Unternehmens, erklärte, dass seit 2001 mehr als 600 hochqualifizierte technische Fachkräfte ausgebildet wurden. Die meisten von ihnen bleiben langfristig im Unternehmen. Die Verbleibquote liegt in den ersten ein bis drei Jahren nach Beginn der Beschäftigung bei rund 95 Prozent und bleibt anschließend weiterhin bei über 85 Prozent, wodurch stabile Kooperationen und eine starke Unternehmenskultur entstanden sind. 

 

Ein weiteres Beispiel ist das deutsche Unternehmen IMS Gear, das 2017 sein duales Ausbildungsprogramm startete. Insgesamt investierte das Unternehmen nahezu 30 Millionen Yuan in Anlagen sowie laufende Betriebskosten. Bis heute wurden 113 Auszubildende in acht Jahrgängen ausgebildet, von denen derzeit 51 noch am Programm teilnehmen. Von den 50 Absolventen aus vier Jahrgängen blieben 46 im Unternehmen, was einer Verbleibquote von 92 Prozent entspricht. Die Erfolgsquote der Auszubildenden bei den AHK-Prüfungen liegt bei 100 Prozent, und sie stellen etwa ein Drittel der Techniker im Unternehmen. Mehr als 30 Prozent der Absolventen wurden inzwischen zu leitenden Technikern, Teamleitern an der Produktionslinie oder Ingenieuren befördert. Gleichzeitig konnte das Unternehmen externe Einstellungen für Technikerstellen vollständig einstellen. 

 

Langfristig haben Unternehmen, die am dualen System teilnehmen, eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, um geeignete Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu binden. IMS Gear hat beispielsweise intern ein Programm mit dem Namen „Junior Company“ eingeführt. Dabei übernehmen Auszubildende reale Aufträge und durchlaufen tatsächliche Geschäftsprozesse, wodurch sie unter anderem Erfahrungen in Kostenkontrolle, Qualitätsmanagement und Serviceabwicklung sammeln.

 

Besonders leistungsstarke Auszubildende erhalten zudem die Möglichkeit, Schulen und Unternehmen in Deutschland zu besuchen. Dort können sie ihren Horizont erweitern und das duale Ausbildungssystem noch intensiver kennenlernen.

 

In Deutschland genießt die berufliche Bildung traditionell ein hohes Ansehen. Viele Führungskräfte großer Unternehmen wie Bosch, Mercedes-Benz oder BMW verfügen über einen beruflichen Ausbildungshintergrund. Das duale System in Taicang hat sich als Modell erwiesen, das sowohl für lokale Behörden als auch für Unternehmen und Bildungseinrichtungen Vorteile bietet. Unter einem Ausbildungsmodell, das sowohl deutsche Standards als auch die praktischen Gegebenheiten in China berücksichtigt, entsteht eine neue Generation hochqualifizierter technischer Fachkräfte mit sowohl fachlichen Kompetenzen als auch sozialen Fähigkeiten.

 

„Das duale System wird in Taicang weiter ausgebaut und vertieft. Mit intensiverer Zusammenarbeit, zusätzlichen Investitionen, starken Lehrkräften und einem zunehmend ausgereiften Ansatz nahm 2023 die von der AHK initiierte AHK Academy ihren Betrieb auf“, erklärte Dr. Tido Janssen, Leiter Berufliche Bildung, Training und Personalrekrutierung, AHK Greater China. Die Akademie richtet sich sowohl an Berufsschulen als auch an Menschen, die ihre Qualifikationen verbessern und neue Beschäftigungsmöglichkeiten erschließen möchten. Damit stärkt sie den lokalen Arbeitsmarkt in Taicang und etabliert das duale System zunehmend als eigenständige Marke.

 

Herr Lin, Dekan der AHK Academy, betonte zudem, dass Absolventen der dualen Programme deutliche Vorteile sowohl bei der Beschäftigungsquote als auch beim Einstiegsgehalt haben. Darüber hinaus kann das AHK-Zertifikat in ein Technikerzertifikat umgewandelt werden, das vom Personal- und Sozialversicherungsministerium der Provinz Jiangsu anerkannt wird, während Facharbeiter normalerweise mehrere Jahre Berufserfahrung benötigen, um diese Qualifikation zu erwerben. 

 

Mit Blick auf die Zukunft wird das duale System in Taicang weiterhin die internationalen Ressourcen und den Einfluss der AHK nutzen, den Austausch mit weltweit führenden Unternehmen und Bildungseinrichtungen vertiefen und die Ausbildungsprogramme entsprechend den Anforderungen der Industrie sowie aktuellen Branchentrends weiter optimieren. Gleichzeitig sollen Erfahrungen aus dem fortschrittlichen deutschen Berufsbildungssystem weiterhin einbezogen werden.

 

Mehr als zwanzig Jahre praktischer Erfahrung zeigen, dass das duale System in Taicang nicht lediglich eine Kopie eines Bildungsmodells darstellt, sondern ein umfassendes Ökosystem, das institutionelle Innovation, kulturelle Integration und technologische Zusammenarbeit miteinander verbindet. Wenn deutsche Präzisionsfertigung auf das chinesische Berufsbildungssystem trifft, entstehen Fachkräfte, die nicht nur lokal tätig sind, sondern auch eine wichtige Rolle bei industrieller Modernisierung und Innovation spielen. Das „Taicang-Modell“ der Integration von Industrie und Bildung bietet damit einen neuen Ansatzpunkt für die wirtschaftliche und handelspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China.  

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