Glas mag im Alltag gewöhnlich erscheinen, doch seine Geschichte als wertvolles Material reicht Jahrtausende zurück – vom glitzernden Schmuck der Pharaonen bis hin zu den Handwerkskünsten früher Zivilisationen. Im Laufe der Zeit hat sich das einstige Luxusgut zu einem unverzichtbaren Werkstoff der Technik entwickelt: langlebig, präzise und chemisch vielseitig.
Heute bildet Glas die Grundlage für eine neue Welle von Innovationen in Bereichen, die ohne seine einzigartigen Eigenschaften nicht funktionieren könnten: hochreines Quarzglas und Spezialglas für Halbleiterfertigungsprozesse und Photonik; Glaskeramiken mit extremer Präzision für fortschrittliche Teleskope und Instrumente für die nächste Generation von Weltraummissionen; sowie Lichtleiter und Glasfasern, die in minimalinvasiver Endoskopie und moderner Diagnostik eingesetzt werden.
Im Jahr 1884 gründeten der Glaschemiker Otto Schott (1851–1935), gemeinsam mit dem Physiker Ernst Abbe (1840–1905) und dem Optiker sowie Feinmechaniker Carl Zeiss (1816–1888), ein kleines Glaslabor in Jena. Das „Schott & Associates Glass Technology Laboratory“ wurde zur Entwicklung und Produktion neuer Spezialgläser gegründet, wobei Otto Schott vor allem optische Gläser für die Optische Werkstatt von Carl Zeiss entwickelte.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich das kleine Glaslabor zur SCHOTT Gruppe, einem der weltweit führenden Hersteller von Spezialglas und Mitglied der AHK Greater China. Mit 17.400 Mitarbeitenden in über 30 Ländern und Regionen bedient SCHOTT zahlreiche Branchen, darunter Healthcare, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Halbleiter, Optik, Astronomie, Energie und Luft- und Raumfahrt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SCHOTT einen Umsatz von 2,83 Milliarden Euro.
SCHOTT in China: global abgestimmt, lokal gestärkt
Die Verbindung von SCHOTT zu China reicht mehr als 100 Jahre zurück, als die ersten Produkte bereits auf dem Markt verkauft wurden. Nach über 20 Jahren lokaler Entwicklung betreibt SCHOTT heute ein Vertriebsbüro in Shanghai, ein F&E-Zentrum sowie eine Produktionsbasis in Suzhou und eine Produktionsstätte für die pharmazeutische Industrie in Jinyun, Zhejiang. Darüber hinaus betreiben SCHOTT und Zhejiang Crystal-Optech Co. Ltd. ein Joint Venture in Taizhou (Provinz Zhejiang), das sowohl den chinesischen als auch den globalen Markt bedient.
„Als deutsches Unternehmen, das tief im lokalen Ökosystem verankert ist, setzen wir auf langfristiges, nachhaltiges Wachstum in China“, erklärte Dr. Torsten Derr, CEO und Vorstandsvorsitzender der SCHOTT AG. „China ist einer der beiden strategischen Schwerpunktmärkte in der globalen Strategie von SCHOTT und spielt eine entscheidende Rolle für unser zukünftiges Wachstum. Dank unseres breiten Portfolios und der Vielzahl der von uns bedienten Branchen sehen wir zahlreiche Wachstumsmöglichkeiten in Chinas innovationsgetriebener Wirtschaft.“
In den vergangenen Jahren hat SCHOTT zum Wachstum verschiedener Industrien in China beigetragen, darunter Healthcare, 5G-Kommunikation, Unterhaltungselektronik – insbesondere faltbare Geräte – sowie Haushaltsgeräte. Für die Zukunft sieht das Unternehmen starkes Wachstumspotenzial in strategischen Bereichen wie Elektromobilität, Halbleiter, Medizin- und Pharmatechnologie sowie Astronomie und Raumfahrt.
„Langfristig ist es unser strategisches Ziel, unser Wachstum fortzusetzen, indem wir sowohl etablierte Branchen wie Healthcare und Halbleiter als auch neue Technologien wie Augmented Reality (AR), robotergestützte Chirurgie und Brain-Computer-Interfaces (BCI) unterstützen. Diese Bereiche stehen in engem Zusammenhang mit den zukünftigen industriellen Prioritäten Chinas und unseren technologischen Stärken“, sagte Dr. Torsten Derr.
SCHOTT wird seine Präsenz in Suzhou weiter ausbauen – das F&E-Zentrum wird zu einem China Innovation Center weiterentwickelt und die lokale Produktionskapazität erhöht (eine neue Anlage wurde 2025 eröffnet, um den schnell wachsenden Automobilsektor zu bedienen). Das Unternehmen plant Investitionen von über 60 Millionen RMB in Suzhou und strebt nach vollständigem Ausbau bis 2030 einen jährlichen Produktionswert von über 1 Milliarde RMB in China an. Die Investitionen umfassen neue Produktionskapazitäten, Forschung und Entwicklung sowie den Einsatz lokaler Technologien, einschließlich des Ausbaus der Produktion von Glasfaserkomponenten zur Deckung der steigenden Nachfrage im medizinischen und industriellen Bereich.
Das Unternehmen verfügt über ein breit diversifiziertes Produktportfolio, wobei insbesondere die Bereiche Halbleiter, Unterhaltungselektronik, Astronomie & Raumfahrt sowie Automobil als Wachstumstreiber im chinesischen Markt gelten.
Der Ansatz von SCHOTT in China ist global abgestimmt, aber lokal gestärkt. Während alle F&E-Standorte gemeinsam mit dem New Business Team an zukünftigen Geschäftsmöglichkeiten arbeiten, übernehmen sie unterschiedliche Rollen im globalen Netzwerk. Am Hauptsitz in Deutschland konzentriert sich das F&E-Team auf die technologische Grundlage, insbesondere auf Materialentwicklung, Schmelz- und Formprozesse, Oberflächen- und Lasertechnologie. Das Team in Suzhou hingegen fokussiert sich auf marktorientierte Innovationen und schnelle Anwendungsentwicklung. Dieses Zusammenspiel stellt sicher, dass die Forschung global abgestimmt ist und gleichzeitig eine hohe Relevanz für Kunden in China besitzt.
In China ist Kundennähe entscheidend, um gezielt auf Anforderungen reagieren zu können. Das F&E-Zentrum in Suzhou spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung lokaler Lösungen, insbesondere in den Bereichen Medizintechnik, Augmented Reality und Halbleiter.
„Wir übertragen nicht einfach europäische Technologien, sondern fördern gezielt die deutsch-chinesische Innovationszusammenarbeit“, sagte Dr. Torsten Derr. „Bei der Auswahl lokaler F&E-Projekte priorisieren wir Themen mit hoher lokaler Relevanz, Marktnachfrage und dem Potenzial, einen Beitrag zu unseren globalen Technologieplattformen zu leisten. Den Erfolg messen wir anhand von Marktdurchdringung, Time-to-Application und dem strategischen Mehrwert für unser China-Geschäft sowie die globale SCHOTT Gruppe.“
Das Geschäft im Bereich Medizin und Pharma ist ein strategisch wichtiger Wachstumsbereich für SCHOTT. Nationale Gesundheitsinitiativen wie „Healthy China 2030“ sowie steigende regulatorische Anforderungen treiben die Nachfrage nach hochwertigen, sicheren und zuverlässigen pharmazeutischen Verpackungslösungen.
Zur Unterstützung der Entwicklung der pharmazeutischen Industrie haben SCHOTT Tubing und SCHOTT Pharma Produktionsstätten in Jinyun (Zhejiang) lokalisiert. Darüber hinaus unterstützt SCHOTT den schnell wachsenden Medizintechniksektor in China, unter anderem in den Bereichen Diagnostik, robotergestützte Chirurgie, Implantate und Zahnmedizin. Zudem arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit lokalen Partnern an neuen Technologien wie Brain-Computer-Interfaces, die die Zukunft des Gesundheitswesens prägen könnten.
Dr. Torsten Derr fasst drei zentrale Faktoren für das nachhaltige Wachstum von SCHOTT in China zusammen: Kundenorientierung, starke lokale Teams sowie Anpassungsfähigkeit und Geschwindigkeit.
„Aus unserer Erfahrung bewegt sich der chinesische Markt deutlich schneller als der europäische. Neue Trends, Technologien und Marktteilnehmer entstehen in kurzer Zeit, und Unternehmen müssen flexibel bleiben, um neue Wachstumschancen zu nutzen“, erklärte er.
Innovation für Nachhaltigkeit
Die Dekarbonisierung stellt eine große Herausforderung für die Glasindustrie dar. Die Produktion von Spezialglas erfordert extrem hohe Schmelztemperaturen von bis zu 1.700 °C, was einen hohen Energiebedarf und entsprechende CO₂-Emissionen mit sich bringt. SCHOTT führt Pilotprojekte durch, um die Glasproduktion weniger kohlenstoffintensiv zu gestalten, und arbeitet gleichzeitig an ersten Lösungen im Bereich Kreislaufwirtschaft.
„In China arbeiten wir mit lokalen Unternehmen zusammen, die sich im Rahmen der China ESG Alliance für Nachhaltigkeit einsetzen. Diese Organisation wurde unter anderem von Unternehmen wie Microsoft, Lenovo, Tencent sowie der Shanghai Environment and Energy Exchange initiiert. Die Plattform ermöglicht den Austausch von Best Practices, die Sensibilisierung für Nachhaltigkeitsthemen und die Teilnahme an gemeinsamen Initiativen wie der Shanghai Climate Week“, sagte Dr. Torsten Derr.
SCHOTT baut derzeit einen innovativen elektrisch betriebenen Schmelzofen, dessen Fertigstellung für 2027 geplant ist und der zu 100 % mit erneuerbarem Strom betrieben werden soll. Aus technischen Gründen wird Erdgas weiterhin in begrenztem Umfang in der separaten Raffinations- und Arbeitseinheit eingesetzt. Die neue Technologie ermöglicht die Produktion von pharmazeutischem Glas der nächsten Generation mit einem um etwa 50 % reduzierten CO₂-Fußabdruck – ein bedeutender Fortschritt für die Glasindustrie. Gleichzeitig testet das Unternehmen Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft, beispielsweise die Rückführung von ausgedienten Glaskeramik-Kochfeldern in den Produktionsprozess.
Insgesamt bietet das Innovationsökosystem in China SCHOTT große Chancen, gemeinsam mit Partnern Anwendungen der nächsten Generation zu entwickeln, die die Materialkompetenz des Unternehmens mit der Geschwindigkeit der lokalen Marktentwicklung verbinden.
„Lokalisierungsentscheidungen werden sowohl durch die Nähe zum Markt als auch durch die Notwendigkeit bestimmt, Kunden schnell und zuverlässig zu unterstützen. In der Vergangenheit haben internationale Unternehmen ihre Produktion vor allem lokalisiert, um eine schnelle und zuverlässige Versorgung sicherzustellen. Heute erwarten chinesische Kunden schnelle Iterationen, eine zügige Einführung neuer Technologien und eine enge Zusammenarbeit im Engineering. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, verfolgt SCHOTT den Ansatz ‚in China, für China‘. Das erfordert nicht nur lokale Vertriebs- und Lieferkettenstrukturen, sondern auch lokale F&E und starke Engineering-Teams, die Lösungen in ‚China Speed‘ entwickeln“, sagte Dr. Torsten Derr.
Für SCHOTT als Anbieter zentraler Komponenten für Hightech-Industrien ist es entscheidend, eng mit Industriepartnern und Verbänden in strategischen Sektoren wie Halbleiter, Pharma und weiteren Schlüsselbranchen zusammenzuarbeiten sowie Kooperationen mit Universitäten, akademischen Einrichtungen und Forschungsorganisationen wie der Chinese Astronomical Society zu pflegen.
„Organisationen wie die AHK Greater China spielen eine wichtige Rolle beim Austausch, bei der Bereitstellung regulatorischer Einblicke und beim Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen China und Deutschland – insbesondere in einem sich wandelnden globalen Handelsumfeld. Zudem begrüßen wir die Möglichkeit, die Marke SCHOTT über Veranstaltungen, Kommunikationskanäle und Plattformen der AHK zu präsentieren, um unsere Präsenz im chinesischen Markt weiter zu stärken“, so Dr. Torsten Derr.