Climate Markets Cooperation

Since 2008, AHK Greater China Beijing has been implementing several projects on behalf of the German Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation, Construction and Nuclear Safety (BMUB) in order to actively engage German enterprises in the field of emissions reduction in China. Within this framework, a large number of activities, including a series of network events, business trips, and information meetings were organized to establish a platform for German and Chinese companies, authorities, and organizations, which support effective and sustainable cooperation.

Besides launching a national emissions trading system in 2017, the Chinese government is pursuing further measures that revive the global debate on market-based mechanisms and climate protection instruments, such as the planned trading of emissions certificates in the aviation sector, a credit system concept for new energy vehicles, and the new Environmental Protection Tax Law. In addition, the more stringent targets of the 13th Five-Year Plan (2016-2020) further emphasize aspects such as renewable energy production and CO2 emissions reduction measures in the industrial and transport sectors in China, opening up new business opportunities for German companies.

Through the current Climate Markets Cooperation project, running from January 2017 to December 2018, the involvement of German stakeholders in climate protection in China and Chinese knowledge in this area are highlighted. By organizing regular networking meetings and publishing of the Econet Monitor magazine, the project follows a long-term strategy. It builds on AHK Greater China Beijing’s large network of German and Chinese stakeholders and decision-makers in the field of climate protection, which was established to further promote the climate protection efforts of China and actively involves German companies in this process.

Econet Monitor Magazine – Green Markets & Climate Challenge

Econet Monitor Magazine contains detailed industry reviews on green building, renewable energy, climate protection, low carbon developments and various other environmental topics in China. It is written with the expertise of econet china, the service of German Industry & Commerce Greater China for building, energy and environment, striving to promote Sino-German cooperation for sustainability.

Latest German Edition of Econet Monitor (October 2018)

Looking for information on China's environmental, building and energy sector? Discover the current trends and developments in this month's edition! (in German)

With articles including:

- China's Waste Water Treatment Sector: Challenges, Measures and Market Opportunities

- China further Invests in its Transport Infrastructure

- Networking Event: Green Electricity and Renewable Energy Certificates as New Buying Option in China

- How Green is the Future of Mobility? Impacts of Automated and Connected Driving

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Networking Meetings 2018 (in German)

Green Electricity and Renewable Energy Certificates as New Buying Option in China

Econet Monitor, Ausgabe October 2018

Die chinesische Regierung hat durch neue Reformen die Rolle marktbasierter Transaktionen zur Förderung des Stromkonsums aus erneuerbarer Energie weiter gestärkt. In diesem Zusammenhang wurde es auch Unternehmen und anderen Organisationen durch die Einführung einer freiwilligen Handelsplattform für sogenannte „Green Electricity Certificates“ (GEC) im vergangenen Jahr bereits ermöglicht, regenerative Energie zu beschaffen, auch wenn sie keinen direkten Anschluss an eine entsprechende Anlage aufweisen. Acht Monate nach der Einführung der Plattform wurde zusätzlich von der National Energy Administration (NEA) im März 2018 ein neues Quotensystem durch einen „Renewable Portfolio Standard“ (RPS) vorgeschlagen, der bestimmte Marktteilnehmer dazu verpflichten soll, einen bestimmten Anteil ihres Strommix aus erneuerbarer Energie zu beziehen.

Vor diesem Hintergrund lud die AHK Greater China Beijing am 5. November 2018 Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein. Bei der Veranstaltung, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderten „Climate Markets Cooperation“-Projektes organisiert wurde, gaben zwei ausgewählte Experten Einblicke in die Rahmenbedingungen und Entwicklungstendenzen des chinesischen Sektors für erneuerbare Energien und die sich daraus ergebenden Beschaffungsmöglichkeiten für Unternehmen.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Peng Peng, Generalsekretärin der China New Energy Investment and Financing Alliance (CNIFA), in welchem die Expertin die bisherigen Optionen zum Erwerb von erneuerbarem Strom analysierte. Die derzeitigen Möglichkeiten, wie der Kauf von GEC oder die Errichtung einer eigenen regenerativen Energieanlage, seien laut Peng noch unzureichend, um die zukünftige Förderung erneuerbarer Energie in einem Umfang zu gewährleisten, der für das Erreichen der Ausbauziele Chinas der kommenden Jahre notwendig sei. Dies spiegele sich auch an den wenigen Marktteilnehmern der Handelsplattform für GEC und den hohen Preisen dieser wider, die insbesondere auch auf den darin vorgesehenen Wegfall der staatlichen Einspeisevergütung zurückgeführt werden könne. In diesem Kontext sieht die Expertin den im September 2018 veröffentlichten zweiten Entwurf des RPS als vielversprechend an. Marktteilnehmer, die hierbei verpflichtet werden sollen, die Quote des RPS umzusetzen, sind neben Netzbetreibern auf National-, Provinz- und Lokalebene auch Stromhändler, Endverbraucher mit hohem Bedarf sowie Verbraucher mit eigenen Kraftwerken.

Insbesondere die verpflichtende Teilnahme der Netzbetreiber auf Provinzebene biete laut Peng die Chance, die Herausforderung der Abregelung von Strom aus erneuerbaren Energien in China besser in den Griff zu bekommen. Die bisherigen Transaktionen zwischen den Provinzen seien noch unzureichend, um die Abregelung in einem signifikanten Maße zu reduzieren. Die Fachexpertin führt dies darauf zurück, dass Provinzen vorrangig den Marktanteil eigener lokaler Energieerzeuger schützen würden. Doch mit der Einführung des RPS werden vor allem Regionen an der Ostküste gezwungen, regenerative Energie aus westlichen und nördlichen Provinzen zu importieren. Durch das Quotensystem werde folglich eine Garantie für Erzeuger von erneuerbarer Energie geschaffen, dass der Strom auch konsumiert werde, was Investitionen in regenerative Energien attraktiver mache.

Als zweiter Sprecher erörterte Qiao Tian, Associate beim Rocky Mountain Institute (RMI), die Entwicklung neuer Beschaffungsmöglichkeiten speziell für Unternehmen, die regenerative Energie beziehen wollen. In Bezug auf den chinesischen Markt sei interessant, dass manche Unternehmen durch den Kauf erneuerbarer Energie darauf abzielen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Lieferkette nachhaltiger zu gestalten. Anhand von zwei Fallstudien illustrierte der Experte verschiedene Optionen, die Unternehmen in China zur Beschaffung regenerativer Energie nutzen. So kündigte beispielsweise der amerikanische Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev im Juni 2018 an, für ein Werk in der Provinz Fujian ein neues 15-MW Solarprojekt zur Stromversorgung zu errichten.

In diesem Kontext beobachtete der Experte, dass zwar die Optionen für Unternehmen, erneuerbare Energie in China zu beziehen, durch Pilotprojekte wie das GEC-System erweitert wurden, doch marktbasierte Transaktionen zwischen Verbrauchern und Erzeugern im großen Maßstab bislang ausgeblieben seien. Als ein bisher einzigartiges Beispiel führte Qiao die erste verhandelte bilaterale Transaktion zwischen einem Metallwarenunternehmen in Shandong und einem Windbetreiber in Shanxi im Januar dieses Jahres auf. Der Experte betonte hierbei, dass die Ausweitung marktbasierter Mechanismen noch ungenutzte Potenziale aufweise, die entscheidend wären, um erneuerbare Energie in China weiter auszubauen und die strukturellen Probleme wie die hohe Abregelung in den nordwestlichen Regionen oder das entstandene finanzielle Defizit durch die Einspeisevergütung zu reduzieren.

In der anschließenden Diskussionsrunde beantworteten die Referenten vermehrt Fragen zur weiteren Implementierung des Zertifikatehandelssystems für Erneuerbare Energien und zu dessen Auswirkungen auf den Energiesektor und Klimaschutz. Die Umsetzung hängt nicht nur von dem dritten Entwurf des RPS ab, der in wenigen Wochen veröffentlicht werden soll, sondern auch davon, welche abgeleiteten Regularien die einzelnen Provinzregierungen daraufhin erlassen werden. Ein gradueller Übergang von einem subventionsbasierten System und somit einer regulierten Preissetzung zu marktbasierten Transaktionen zwischen Verbrauchern und Erzeugern von Strom aus regenerativen Energien ist jedoch erkennbar und wird zukünftig weiter von der chinesischen Regierung gefördert werden. Inwiefern die Einführung des verpflichtenden Handels der Zertifikate auch zur Erreichung von Chinas nationalen Klimazielen (NDCs) beitragen wird und bspw. in Verbindung mit dem nationalen Emissionshandelssystem stehen soll, bleibt allerdings abzuwarten.

© German Industry & Commerce Greater China Beijing

China’s New Environmental Governance and its Impacts on Climate Policies and Markets (August 2018)

Econet Monitor, Ausgabe August 2018

Mitte März 2018 hat China seine bedeutendste umweltpolitische Reform der vergangenen Jahre auf den Weg gebracht: Zehn Jahre nach der Gründung des Ministry of Environmental Protection (MEP), das die State Environmental Protection Administration (SEPA) 2008 ersetzte, etablierte die chinesische Regierung das neue Ministry of Ecology and Environment (MEE). Im Zuge dieser Umstrukturierung wird die wachsende Bedeutung von Umweltfragen in der Politik Chinas weiter betont. Das Ministerium ist befugt, Umweltvorschriften zu erstellen und diese auch durchzusetzen. Darüber hinaus übernimmt das neue Umweltministerium wichtige Kompetenzen im Bereich Klimaschutz und der Emissionsminderung, die zuvor der National Development and Reform Commission (NDRC) unterstellt waren.

Die Reform soll dazu beitragen, die bisherige Umweltregulierung Chinas zu konsolidieren und die Verwaltungseffizienz zwischen unterschiedlichen Regierungsabteilungen zu erhöhen. In der Vergangenheit war beispielsweise das MEP für Kohlenstoffmonoxid zuständig, während Kohlenstoffdioxid zum Verantwortungsbereich der NDRC gehörte. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob das neue Ministerium in der Lage sein wird, die Herausforderungen im Zusammenhang mit Klimaschutz und Schadstoffen einschließlich des kürzlich eingeführten nationalen Emissionshandelssystems (EHS) zu bewältigen. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden Chinas klimabezogene Angelegenheiten unter der Führung der NDRC geregelt, die im Vergleich zu einem Ministerium einen höheren Rang besitzt und direkt mit der National Energy Administration (NEA) in Verbindung steht.

Vor diesem Kontext lud die AHK Greater China Beijing am 29. August 2018 mehr als 30 Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein. Bei der Veranstaltung, die im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) geförderten „Climate Markets Cooperation“-Projektes organisiert wurde, gaben zwei ausgewählte Experten Einblicke in die neue Rolle des chinesischen Umweltministeriums und deren Implikationen auf die Klimapolitik und Klimaschutzmärkte.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Li Shuo, Senior Global Policy Advisor bei Greenpeace East Asia, in welchem er zunächst ausführlich auf die Umstrukturierung des neuen MEE einging. Das Ministerium verfügt nun über insgesamt 21 Abteilungen, die ein breites Spektrum an Themen umfassen: Neben Abteilungen für Wasser, Luft, Boden und Biodiversität wurden neue Abteilungen für Umweltinspektion und -kontrolle sowie Klimaschutz geschaffen. Nicht nur die klimabezogene Ausweitung des Kompetenzbereichs stellt eine Stärkung des Umweltministeriums dar, sondern auch die personelle Aufstockung von 311 auf 478 Mitarbeiter. Insgesamt sieht der Experte in Hinblick auf Chinas Klimapolitik ein gutes Maß an politischer Beständigkeit gewährleistet, da ein Großteil der Schlüsselpersonen, die für Klimaaspekte in der NDRC verantwortlich waren, zum MEE gewechselt sind. Die Personalkonsistenz wird sich demnach wohl auch in der Entsendung einer ähnlichen Delegation wie im vergangenen Jahr zur im Dezember stattfindenden UN-Klimakonferenz in Katowice (COP 24) zeigen.

Im zweiten Teil seines Vortrags ging der Sprecher näher auf die klimapolitischen Implikationen der Umstrukturierung ein. Von großer Bedeutung in Bezug auf die nächsten Schritte der Reformimplementierung sei die Umsetzung der Pläne der Zentralregierung auf Provinzebene. Dies bedeute, dass die lokalen Umweltbehörden Anpassungen vornehmen müssen, die sich an den Veränderungen auf zentraler Ebene orientieren. Das werde laut Li entscheidende Auswirkungen auf die Klimaschutzmaßnahmen haben, da viele Environmental Protection Bureaus bisher geringe klimabezogene Kapazitäten aufbauen mussten. Daher wertet der Experte den Aufbau von Kompetenzen auf lokaler Ebene als eine der großen Herausforderungen beim Transfer der klimabezogenen Bereiche von der NDRC zum MEE. Zum Abschluss seines Vortrags konkludierte Li, dass zwar die Konsistenz in der Klimapolitik durch Schlüsselpersonal beibehalten wird, dennoch einige Beobachter Bedenken äußern würden, dass das Umweltministerium im Vergleich zur NDRC insgesamt zurückhaltender agieren könnte. In Bezug auf die internationale Klimadiplomatie Chinas äußerte Li, dass noch abzuwarten sei, ob diese so robust bleiben wird wie zuvor.

Als zweiter Sprecher erörterte Wang Shu, ehemaliger stellvertretender Direktor des Climate Change Department bei der NDRC, welche Chancen und Herausforderungen sich aus der Ausweitung des Verantwortlichkeitsbereichs des Umweltministeriums um klimabezogene Fragen ergeben könnten. Der Klimaschutzexperte hat beobachtet, dass die Reform konsistent mit dem generellen Wechsel der politischen Agenda in China sei. Im Zuge dessen wurde das Mandat zur Bekämpfung des Klimawandels in den letzten drei Jahrzehnten alle zehn Jahre schrittweise verstärkt und sei zu einem Bestandteil von Chinas langfristiger Umweltstrategie aufgestiegen: Vor 2006 wurde Klimaschutz noch von einem kleinen Büro behandelt und nun wurde eine eigene Abteilung für Klimawandel im Umweltministerium geschaffen. Die jetzige Reformagenda könne laut Wang daher ein möglicher Durchbruch in der Gesetzgebung um Klimawandel darstellen.

Des Weiteren werde es von Bedeutung sein, dem MEE eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung und Ökologisierung des chinesischen Wirtschaftswachstums zu geben. In diesem Zusammenhang merkte der Experte an, dass der Staatsrat dem MEE mehr Befugnisse zur Koordination verschiedener Ministerien einräumen sollte, um die Bekämpfung des Klimawandels voranzutreiben. Zwar habe das Umweltministerium in Bereichen wie technisches Management auf der Mikroebene stärkere Fähigkeiten als die NDRC, aber noch fehlende Kompetenzen in Bezug auf marktbasierte Instrumente. Daher sei es für das MEE im nächsten Schritt bedeutsam, Kapazitäten bei der Nutzung der Märkte aufzubauen, um klimapolitische Maßnahmen umzusetzen. Dies könnte langfristig die Chance eröffnen, eine Harmonisierung zwischen der Rolle des nationalen EHS und einer künftig denkbaren Kohlenstoffsteuer zu erzielen, die vom Umweltministerium schon seit längerem in Betracht gezogen wird. Am Ende seines Vortrags betonte Wang, dass die eingeschlagene Richtung der chinesischen Regierung zur Dekarbonisierung und Ökologisierung langfristig ausgerichtet sei, jedoch abzuwarten bleibe, wie die kommenden Regularien bezüglich Klimaschutz in der Praxis umgesetzt werden.

In der abschließenden Diskussion wurde unter anderem das Interesse an den Auswirkungen der Umstrukturierung auf das im Dezember 2017 eingeführte nationale EHS deutlich. Bisher wurden die Pilotprojekte des EHS gemeinsam von der NDRC und ihren lokalen Gegenstücken betrieben. Durch den Wechsel der Verantwortlichkeiten auf das neue Umweltministerium ist ein Transfer dieser auf die lokalen Umweltbehörden wahrscheinlich. Ob dies zu Verzögerungen bei der weiteren Entwicklung des EHS führen werde, sei zu jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen, da sich die lokalen Umweltbehörden noch in der Anpassungs- und Kapazitätsaufbauphase befänden. Aus der Diskussionsrunde wurde allerdings deutlich, dass eine Bewertung des Einflusses der Reform als positiv oder negativ auf Chinas Klimapolitik und -märkte zu einfach wäre. Vielmehr sei abzuwarten, wie das MEE mit seinen neuen Möglichkeiten umgehen werde, Klimapolitik zu gestalten sowie Gesetze und Regularien insbesondere auch auf lokaler Ebene durchzusetzen.

© German Industry & Commerce Greater China Beijing

Climate Protection at Airports in China: Green Airport Construction and Carbon Emissions Reduction (June 2018)

Econet Monitor, Ausgabe June 2018

Das Wachstum des Luftfahrtsektors in den vergangenen Jahrzehnten hat zu einem signifikanten Anstieg der Treibhausgasemissionen und damit der Klimawirksamkeit der Branche geführt. Die Interna - tional Civil Aviation Organization (ICAO) prognostiziert, dass die Asien-Pazifik-Region im Jahr 2020 für 31 Prozent der CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs verantwortlich sein wird. Insbesondere Chinas Luftfahrtsektor verzeichnet eine rasante Entwicklung mit einem hohen Bedarf an neuen Flugzeugen – als auch Flughäfen: Gemäß des „13th Five-Year-Plan for the Development of Civil Aviation“, sollen 74 neue zivile Transportflughäfen in der Volkrepublik im Zeitraum 2016 bis 2020 fertiggestellt werden.

Die chinesische Regierung hat die bedeutende Rolle die „grüne“ Flughäfen einnehmen können erkannt und sich in diesem Bereich neue Ziele zur Energieeinsparung und Emissionsreduzierung gesetzt. Künftig könnten klimafreundliche Flughäfen auch im Rahmen des „Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation“ (CORSIA) weiter an Relevanz gewinnen. Das globale marktbasierte Klimaschutzinstrument wurde von ICAO entwickelt und wird von 73 Staaten, einschließlich Deutschland und China, unterstützt.

Vor diesem Hintergrund lud die AHK Greater China Beijing am 26. Juni 2018 mehr als 30 Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein. Bei der Veranstaltung, welche im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderten „Climate Markets Coooperation“-Projektes organisiert wurde, schilderten zwei ausgewählte Experten die derzeitigen Entwicklungen und Pläne Chinas beim Klimaschutz in Verbindung mit Flughäfen.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Cui Xiaodong, Deputy Director of the Department of Climate Change beim staatlichen China Environmental United Certification Center (CEC). Das mit dem Ministry of Ecology and Environmental Protection (MEE) in Verbindung stehende CEC ist bereits seit einigen Jahren im Bereich der Messung und Verifizierung von CO2-Emissionen in China aktiv und ist eine von mehreren Einrichtungen, die offiziell als Prüfstelle für das nationale Emissionshandelssystem (EHS) akkreditiert wurden. Zu Beginn stellte Cui deshalb nochmals die Voraussetzungen des Ende 2017 gestarteten landesweiten EHS vor, das künftig neben dem Bereich Energieerzeugung auch die Luftfahrtindustrie als eine von insgesamt acht Sektoren beinhalten wird. Anhand einer Fallstudie zu den unterschiedlichen Quellen von Treibhausgasemissionen an Flughäfen, wie beispielsweise Kraftstoffe aus fossilen Energieträgern zum Antrieb von Flughafenfahrzeugen sowie bezogene Energie zum Betrieb von Passagier- und Gepäcktransportsystemen sowie Gebäudeautomation, verdeutlichte Cui Xiadong die Erfahrung seiner Institution in diesem Bereich.

Im zweiten Teil der Präsentation ging Cui näher auf die internationale Initiative „Airport Carbon Accreditation“ (ACA) ein, die Flughäfen anhand von vier Stufen auf Grundlage des internationalen Standards ISO14064 zur Verifizierung von Treibhausgasbilanzen zertifiziert. Derzeit nehmen 239 Flughäfen weltweit auf freiwilliger Basis am Programm teil – davon 44 in der Asien-Pazifik-Region. Auch chinesische Flughäfen in Peking, Taiwan, Macau und Hong Kong sind derzeit Mitglied des ACA-Programms, und bei weiteren besteht bereits konkretes Interesse an einer Teilnahme. Zum Abschluss seines Vortrags gab der Experte zu bedenken, dass derzeit noch nicht klar sei, welches Allokationsverfahren für Emissionszertifikate künftig im landesweiten EHS in Bezug auf Flughäfen Anwendung finden werde. Was die Überwachung, Berichterstattung und Prüfung von Emissionen im Luftfahrtsektor betrifft, könne allerdings auch auf erste Erfahrungen im Rahmen der EHS-Pilotsysteme in Shanghai, Guangdong und Fujian zurückgegriffen werden.

Als zweite Sprecherin präsentierte Dr. Zhang Wen, Senior Engineer beim chinesischen Staatsunternehmen China Airport Construction Group Corporation (CACC) die aktuellen Entwicklungen bei der Planung und Erbauung von umweltfreundlichen Flughäfen in China. Einführend skizzierte sie nochmals das grundsätzliche Konzept für grüne Flughäfen, das auf Aspekten wie der Ressourceneffizienz, Umweltschutz, effizientem Betrieb sowie Nutzerbezogenheit basiert. Die diesbezüglichen Ziele Chinas im aktuellen Fünfjahresplan zur Entwicklung der zivilen Luftfahrt beinhalten eine Abfall- und Abwasserbehandlungsrate neuer Flughäfen von über 90 Prozent sowie mehrere Ziele im Bereich der Energie- und Emissionsreduzierung: So hat China beispielsweise im Jahr 2014 den Austausch herkömmlich betriebener Fahrzeuge durch Elektrofahrzeuge zu einer der Schlüsselmaßnahmen beim Klimaschutz an Flughäfen erklärt. 2015 konnten Flughäfen mit einem jährlichen Passagieraufkommen von mehr als 10 Millionen in den Städten Peking, Chengdu, Kunming, Changsha, Harbin und Xiamen bereits Erfolge in diesem Bereich vorweisen. In Zukunft soll diese Maßnahme auch an weiteren Flughäfen mit mehr als 5 Millionen Passagieren umgesetzt werden.

Des Weiteren hat China in den letzten fünf Jahren, unter anderem auch durch Mitwirkung von Dr. Zhang, mehrere Standards für grüne Flughäfen entwickelt. Die 2016 und 2017 veröffentlichten Richtlinien sollen in den kommenden Jahren bis 2020 weiter verfeinert werden. Danach liege der Schwerpunkt laut der Expertin auf der umfassenden Anwendung der Standards bei zahlreichen Flughäfen in der Volksrepublik.

In der abschließenden Diskussion wurde nochmals deutlich, dass sich China bei umweltfreundlichen Flughäfen nicht ohne weiteres mit anderen Staaten vergleichen lässt: Während in vielen Ländern bestehende Flughäfen saniert bzw. erweitert werden, steht im Reich der Mitte der Neubau im Vordergrund. Somit können grüne Aspekte bereits von Beginn an in die Planung einfließen und Berücksichtigung finden. Darüber hinaus wurde das konkrete Ausmaß der künftigen Integration des Luftfahrtsektors in das nationale EHS weiter diskutiert. Antworten hierzu wird in Zukunft auch das neue MEE bieten, das vor kurzem die Verantwortung über das EHS von der National Development and Reform Commission (NDRC) übernommen hat.

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Networking Meetings 2017 (in German)

China’s National Emissions Trading System: State of Play and Key Features (December 2017)

Econet Monitor, Ausgabe Januar 2018

Anlässlich der Einführung des nationalen Emissionshandelssystems (EHS) lud die AHK Greater China Beijing am 13. Dezember 2017 Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem der aktuelle Status der Implementierung sowie die Herausforderungen und Erwartungen an das Mitte Dezember lancierte EHS diskutiert und analysiert wurden. Im Rahmen des Treffens konnten die rund 30 Teilnehmer einen Eindruck vom Übergang der Pilotsysteme zum landesweiten EHS und den potenziellen strukturellen Regelungen des nationalen Systems gewinnen. Bei der Veranstaltung, welche im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderten Climate Markets Cooperation-Projektes organisiert wurde, schilderten zwei ausgewählte Experten die derzeitigen Entwicklungen von Chinas nationalem EHS.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Professor Zou Ji, Vorsitzender der Energy Foundation China. Zu Beginn thematisierte Zou die Entwicklung des Emissionshandels im globalen und chinesischen Kontext. Als größter CO2-Emittent weltweit startete China Mitte 2013 das erste regionale Pilotprojekt in Shenzhen, neben dem im darauffolgenden Jahr sechs weitere lokale Emissionshandelssysteme implementiert wurden. Die Integration der insgesamt sieben Pilotprojekte und Berücksichtigung der daraus gewonnen Erkenntnisse war Teil der Konzipierung des nationalen Systems, welches sich nach erfolgreicher Umsetzung zur weltweit größten Handelsplattform für Emissionszertifikate entwickeln könnte.

Des Weiteren prognostizierte Prof. Zou in Bezug auf das Allokationsverfahren zu Beginn den umfassenden Einsatz durch das „Grandfathering“-Prinzip, bei dem sich die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten an historischen Emissionswerten einer Basisperiode orientiert. Vereinzelt bestehe auch die Möglichkeit ein sektorales „Benchmarking“-System anzuwenden, welches aus klimapolitischer Sicht wesentlich sinnvoller sei. Hierbei wird ein bestimmter Emissionsmaßstab anhand von Referenzdaten festgelegt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine flächendeckende Anwendung dieses bevorzugten Verfahrens allerdings aufgrund von mangelnden Daten nicht möglich. Neben der künftig geplanten verstärkten Nutzung des Benchmarking-Verfahrens mit kostenloser Zuteilung soll zudem die Versteigerung von Emissionszertifikaten spätestens mit Beginn der Ausbauphase des EHS in 2020 einen wichtigen Bestandteil bilden. Gemäß der ursprünglichen Konzeption des EHS sollten insgesamt acht Sektoren am Kohlenstoffmarkt integriert werden. Darunter Energie, Mineralölverarbeitung, Chemie, Baumaterialen, Stahl, Nichteisenmetalle, Papierherstellung und der Luftfahrtsektor. Zou Ji machte jedoch deutlich, dass der Emissionshandel in der ersten Implementierungsphase vorerst deutlich kleiner ausfallen wird als erwartet. Zunächst wird der Energieerzeugungssektor der einzige Industriezweig im nationalen Emissionshandelssystem darstellen. Vor allem die umfassende Datengrundlage, der große Marktanteil und die höchste Emissionsausstoßrate qualifizieren diesen Sektor als Wegbereiter, um funktionierende Strukturen und Abläufe für das EHS zu entwickeln.

Als zweiter Experte berichtete Chen Zhibin, Senior Analyst von SinoCarbon Innovation & Invest, über die potenzielle Ausgestaltung und die Herausforderungen bei der weiteren Entwicklung des EHS. Zunächst veranschaulichte Chen die mögliche institutionelle Struktur des nationalen EHS. So wird die Haupthandelsbörse vorrausichtlich in Shanghai ansässig sein und vor Ort das Geschäftszentrum des EHS bilden. Die Registerstelle soll sich derzeitigen Informationen zufolge künftig in der Provinz Hubei befinden. Um jedoch einen liquiden und kontinuierlich wachsenden Markt zu garantieren, bedarf es laut dem Experten noch an einer Weiterentwicklung von Regularien und Verbesserung der strukturellen Organisation. Vor allem die Eingliederung des Allokationssystems biete große Herausforderungen für Chinas Regierung. Durch strukturelle Unterschiede und wirtschaftliche Ungleichheiten zwischen urbanen und ländlichen Regionen müssen komplexe Lösungen gefunden werden, um ein faires System schaffen zu können. Die vorhandene Datengrundlage über ansässige Unternehmen, vor allem im provinziellen Bereich, erfordere Verbesserungen und Korrekturen, was es zusätzlich erschwere ein funktionierendes System zu etablieren.

Während der Handel mit China Certified Emission Reductions (CCERs) als Offset-Mechanismus in den Pilotsystemen bereits erlaubt ist, bleibt die Implementierung von Offset-Projekten im nationalen EHS vorerst aus. Die National Development and Reform Commission (NDRC) stoppte die Zulassung für CCERs um entsprechende Regularien zu verfeinern und Projektvoraussetzungen für die Marktteilnahme zu konzipieren. Wie der Offset-Markt im nationalen System aussehen wird und wann eine erneute Registrierung möglich sein wird wurde bisher noch nicht bekannt gegeben. Neben der Einführung des nationalen EHS betonte Chen Zhibin den Stellenwert weiterer „Low Carbon“- Initiativen und regulatorischer Maßnahmen wie Gesetze die nötig seien, damit China das CO2-Emissionsreduktionsziel bis 2030 von 60 bis 65 Prozent gegenüber dem Jahr 2005 erreichen kann.

In der anschließenden Diskussionsrunde beantworteten die Referenten vermehrt Fragen zum Übergang der Pilotprojekte zum nationalen EHS. Zu Beginn werden die Pilotsysteme parallel zum EHS bestehen bleiben bis der nationale Markt ausgereift und funktionsfähig ist. Qualifizierte Sektoren und Unternehmen sollen anschließend in das nationale EHS übergehen und nicht mehr am regionalen Markt handeln, um Preisinstabilitäten zu vermeiden. Kleinere Emittenten und Sektoren die im nationalen System keine Berücksichtigung finden, sollen vorerst weiterhin in den Piloten operieren. Als größter CO2-Emittent spielt China eine entscheidende Rolle im globalen Klimaschutz. Die Einführung des nationalen EHS stellt einen wichtigen Meilenstein dar und wird daher weltweit mit Spannung verfolgt.

© German Industry & Commerce Greater China Beijing

China's Climate South-South Cooperation: New Opportunities for Sino-German Collaboration (September 2017)

Econet Monitor, Ausgabe September 2017

South-South Cooperation (SSC) is recognized as an increasingly important dimension of international collaboration for tackling climate challenges. China assumed the leadership in this development with its growing support to other developing countries in re­cent years and the establishment of the South-South Climate Cooperation Fund, to which it allocated 20 billion CNY. China’s efforts in this regard, in line with the mechanisms of the Paris Agreement, open up new opportunities for cooperation with Germany in devel­oping countries.

As the implementing organization of the Climate Mar­kets Cooperation Project supported by the German Federal Ministry for the Environment, Nature Con­servation, Building and Nuclear Safety (BMUB), Ger­man Industry & Commerce Greater China Beijing or­ganized a Networking Meeting on 5 September 2017, on the topic of China’s climate South-South Coopera­tion and its new opportunities for Sino-German col­laboration. At the meeting, experts informed the over 30 participants about the framework and prospects of China’s SSC on climate change, its linkage with the Paris Agreement mechanisms and the options for en­hanced South-North collaboration.

At the beginning of the meeting, Niels Vestergaard Knudsen, Assistant Country Director – Team Leader South-South Cooperation for the United Nations De­velopment Programme (UNDP) in China informed the participants about the history and future trends of China’s SSC on climate change. He pointed out, that China overall has increasingly taken a leading position on the world stage and that many countries seek to draw from China’s experiences as a successful emerg­ing country. China already today is the largest produc­er of renewable energies and increasingly supports low-emission progress in developed and developing countries. The main cooperation areas for China’s SSC activities are agriculture, disaster management, satel­lite monitoring, transfer and application of renewable energy technologies as well as the provision of elec­trical appliances. UNDP conducted a research study last year, in which it investigated partner countries’ opinions and concerns of China’s climate change sup­port. 31 partner countries participated, including 15 African nations. The feedback has been very positive. All participants agreed that SSC on climate change with China was driven by their countries’ needs. Fur­ther, they underlined that China’s SSC is not just about financial assistance, but rather participant countries seeking individual and institutional capacity-building and technology development and transfer. Knudsen concluded that SSC offers increasing opportunities for many forms of multi-stakeholder partnerships. UNDP supports South-South and Triangular Cooperation with the goal to maximize its development impact and accelerate poverty alleviation and the achievement of Sustainable Development Goals.

Following was a panel discussion between Thomas Forth, Advisor to the BMUB and Xinyuan Wen, South- South Cooperation Project Manager at the National Center for Climate Change Strategy and International Cooperation (NCSC) of China. In order to give an im­petus to the discussion, Thomas Forth started with a brief presentation of the opportunities for Sino-Ger­man cooperation in developing countries in the con­text of the Paris Mechanisms. Since coinciding issues can be found, Forth pointed to cooperation and shar­ing benefits as the pivotal points in order for both, the SSC and the Paris Mechanisms, to be successful. Ac­cording to the expert, the global sound is on coopera­tion and not on protection strategies. In order to raise ambitions on climate protection measures in other countries, more simplified solutions are needed as well as concrete mitigation activities from the private and public sector. The questions to be raised on the elaboration of SSC are whether South-South should match domestic nationally determined contributions (NDC) development and how South-South can handle NDC support, capacity building and implementation on the ground of other parties.

Subsequently, Xinyuan Wen gave a brief introduction on China’s Climate South-South Cooperation and the new opportunities for Sino-German collaboration. After a short overview of China’s SSC development and engagement, Wen introduced the 10-100-1000 programme that has been initiated in 2015, seeking to offer to the global south, ten low-carbon develop­ment demonstration projects, one hundred climate mitigation and adaptation projects and climate train­ing programmes for one thousand representatives from developing countries. Although the programme is currently still in the shaping process, first progress has become apparent, such as the signing of 28 mem­oranda of understanding with recipient countries. The ten low-carbon development demonstration projects aim to build low-emission systems in towns, parks or communities. So far, the mitigation and adapta­tion programme involves energy efficient products, renewable energy goods, and meteorological multi-satellite systems. The goal is to further promote energy savings, renewable energy and the use climate-friend­ly products and technologies. Wen pointed out that, although some successful cooperations have already taken place, improvements still have to be made. The catalogue of goods the programme offers as of now is still limited. An expansion is needed in order to meet the demand. Furthermore, Wen mentioned that no performance evaluation has taken place yet. De­spite these obstacles, she sees the 10-100-1000 pro­gramme as a promising opportunity for cooperation, not just between government and government, but also including other stakeholders. She also mentioned interesting new perspectives for connecting China’s SSC activities with green finance, carbon markets as well as Belt and Road projects.

During the panel discussion, Thomas Forth further stressed the significance of South-South and South-North Cooperation, since it enhances common strate-gies and can bring resources together. Moreover, he highlighted the importance of involving the pri­vate sector in this process. Xinyuan Wen added that although China, through the experience of being an emerging country, has valuable insights others can draw on, these experiences can still present limits. Through including South-North Cooperation, existing expertise and insights can be amplified, and a more comprehensive project implementation can take place with the opportunity to close existing gaps.

In the subsequent discussion and questions round, participants showed particular interest in the set-up and funding of China’s 10-100-1000 programme. Since the China South-South Climate Cooperation Fund still is being structured, for now, most of the funding is provided by the government. Additionally, Xinyuan Wen pointed out, that only proposals involving a link with climate change can be considered.

Looking at the future, more cooperation, not just government to government, but also the stronger in­volvement of third parties, such as the private sector, international organizations or NGO’s is seen as a cru­cial point to foster the effective engagement of con­certed efforts and extend the available expertise.

© German Industry & Commerce Greater China Beijing

China’s upcoming Environmental Protection Tax: Framework and Implementation (June 2017)

Die chinesische Zentralregierung plant für den 1. Januar 2018 die Einführung eines neuen Umweltsteuergesetzes, welches das alte Abgabensystem aus dem Jahr 1979 ersetzen soll. Darin inbegriffen sind besteuerbare Schadstoffe in Verbindung mit Luftverschmutzung, Wasserverschmutzung und Feststoffabfall sowie die Kategorie Lärmbelastung. Dies bedeutet für die betroffenen Unternehmen, dass sie sich entsprechend frühzeitig auf das neue Gesetz vorbereiten und mit den Grundlagen der zu entrichtenden Steuer vertraut machen sollten. Vor diesem Hintergrund organisierte die AHK Greater China Beijing am 30. Juni 2017 im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderten Climate Markets Cooperation-Projektes ein Netzwerktreffen mit Fokus auf den Rahmenbedingungen und der Ausgestaltung des neuen Umweltsteuergesetzes und lud Unternehmensvertreter und Experten dazu ein. Unter Berücksichtigung der Maßnahmen und Herausforderungen, die sich durch diese Steuer ergeben, wurden insbesondere auch die Auswirkungen auf Unternehmen diskutiert.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Ge Chazhong, Direktor des Instituts für Environmental Policy der Chinese Academy for Environmental Planning (CAEP), über die Hintergründe und die Ausgestaltung des Umweltsteuergesetzes. Zu Beginn kam Ge auf das alte System der Umweltschutzabgabe zu sprechen, welchem es aufgrund der ehemaligen planwirtschaftlichen Ausrichtung Chinas an einer Marktorientierung mangelte. Neben weiteren Marktinstrumenten, wie etwa der Einführung des nationalen Emissionshandelssystems zur Senkung des CO2-Ausstoßes im Herbst 2017, soll auch die Implementierung der Umweltsteuer eine bessere Ausrichtung an Marktgegebenheiten sicherstellen. Hinsichtlich der Ausgestaltung der Steuer betonte Ge die konkrete Eingrenzung des Spektrums der Steuerzahler. Dieses beinhalte Unternehmen, öffentliche Institutionen und weitere Betreiber, die direkt besteuerbare Schadstoffe innerhalb der Landesgrenzen oder Gewässer der Volksrepublik China emittieren. Privatpersonen sowie nicht gewerbliche Betreiber sind von der Steuer ausgenommen. Weiterhin sind zwei Bedingungen vorgesehen, die zu einer Reduzierung der Steuer führen, sowie fünf Ausnahmeregelungen, die eine Steuerbefreiung zur Folge haben. Eine davon ist beispielsweise dann erfüllt, wenn Schadstoffe in ordnungsgemäß errichteten Abwasserbehandlungsanlagen oder in inländischen Deponiefeldern entsorgt werden. Des Weiteren kann die Lagerung oder Deponie fester industrieller Abfälle in Anlagen, die den Umweltschutzstandards entsprechen, eine Steuerbefreiung mit sich bringen. Auch der Ausstoß von Schadstoffen im Agrarsektor führt nicht zu einer vollen Besteuerung, dies gilt allerdings nicht für einen landwirtschaftlichen Anbau im großen Rahmen.

Während alle vier vom Gesetz erfassten Schadstoffkategorien durch bestimmte Steuersätze pro Emissionsmenge berechnet werden, bestehen Unterschiede in der Bemessung der einzelnen Schadstoffe sowie in der Höhe des Steuersatzes. Darüber hinaus werden durch das neue Gesetz nicht alle Schadstoffarten besteuert: Einerseits nur jene, die in der Liste besteuerbarer Schadstoffe im Anhang des Umweltsteuergesetzes, enthalten sind. Andererseits werden in Hinblick auf die tatsächlich zu besteuernden Emissionen in einer Fall-zu-Fall Analyse vor Ort nur jene berücksichtigt, welche den höchsten Anteil ausmachen. Konkret bedeutet dies, dass obwohl beispielsweise im Bereich Luftverschmutzung zwischen 44 unterschiedlichen Schadstoffarten unterschieden wird, für die Berechnung der zu besteuernden Menge lediglich der Ausstoß der drei Schadstoffarten berücksichtigt wird, welche die höchsten Konzentrationen aufweisen. Im Bereich Wasserverschmutzung wird dasselbe Prinzip angewandt, wobei hier die drei bzw. fünf Schadstoffe herangezogen werden, welche über die höchsten Konzentrationen verfügen. Bei Feststoffabfällen bzw. bei der Lärmbelastung werden jeweils das Gewicht respektive die Anzahl der Dezibel, die das Limit übersteigen, als Berechnungsgrundlage genutzt werden. Des Weiteren gab Ge einen Überblick über die Steuerraten für die einzelnen Schadstoffklassen. In diesem Zusammenhang verwies er auf eine Besonderheit im Bereich der Luft- und Wasserverschmutzung. Hier wird künftig statt eines festgesetzten Betrags eine Spanne vorgegeben, innerhalb welcher die Provinzen frei wählen können. Um die Höhe der zu besteuernden Emissionen festzulegen gibt es mehrere Möglichkeiten. Ge betonte, dass die für beide Seiten nachhaltigste Option die eines Online-Monitoring-Systems darstellt, da es die akkuratesten Daten liefere. Die unpräziseste Methode ist die der Schätzung. Hierbei wird anhand von Proben eine Prognose aufgestellt und die zu besteuerbare Menge auf dieser Grundlage berechnet. Diese Methode ziehe für Unternehmen eine zumeist höhere Steuerabgabe mit sich, da Prognosen zu Lasten der Unternehmen aufgestellt werden. Vom Gesetzgeber wird vorgesehen, dass die Steuer quartalsweise zu entrichten ist.

Im Anschluss zog Ge eine positive erste Bilanz zum Umweltsteuergesetz und unterstrich die Fortschritte, die im Hinblick auf den Einsatz der Steuergesetzgebung und marktorientierter Instrumente zur Stärkung des Umweltschutzes künftig erreicht werden können. Allerdings seien noch einige Maßnahmen bis zur erfolgreichen Einführung des Gesetzes nötig. In diesem Zusammenhang betonte er auch die Bedeutung der Förderung des Datenaustauschs zwischen dem Ministry of Environmental Protection (MEP) und der State Tax Administration (STA).

Im Rahmen eines zweiten Vortrags gab Iris Pang von PricewaterhouseCoopers (PwC) einen Überblick über die Rahmenbedingungen des Gesetzes und verdeutlichte dessen Auswirkungen auf die davon betroffenen Unternehmen. Pang unterstrich, dass es für Firmen entscheidend sei, sich rechtzeitig mit dem neuen Gesetz zu befassen, um auf die Neuerungen vorbereitet zu sein. Zwar meinte Pang, dass es für viele Unternehmen so aussehe als würde die neue Umweltsteuer keine nennenswerten Anpassungen der Steuerrate mit sich bringen, jedoch prognostiziert sie, dass die reale Steuerlast insgesamt steigen wird. Allerdings, ihrer Ansicht nach nicht durch einen generell höheren Steuersatz, sondern durch ein verbessertes regelkonformes System. Die meisten der chinesischen Provinzen haben sich bereits mit den künftigen Raten der Umweltsteuer beschäftigt, wobei Peking eine der höchsten Steuerraten vorsieht. Darüber hinaus erwähnte Pang, dass eine weitere positive Neuerung des Gesetzes für Unternehmen in der von nun an ausschließlich lokal erhobenen Steuer gesehen wird. Hierbei sieht sie auch mehr Potenzial für die Gewährung staatlicher Subventionen die beispielsweise zur Erneuerung von Anlagen genutzt und einen zusätzlichen positiven Beitrag zur Reduzierung von Emissionen leisten können.

In der abschließenden Diskussion gingen die Referenten auf Fragen aus dem Publikum ein. Dabei kamen zuerst Anmerkungen bezüglich der Beweggründe für das neue Umweltsteuergesetz zur Sprache. Hier erklärte Ge Chazhong, dass mit dem neuen Gesetz mehr Kontrolle und ein höherer Wirkungsgrad ermöglicht werden. Dies ging über in weitere Fragen bezüglich der Chancen und Potenziale der neuen Steuer für die Minderung von Emissionen. Hier erklärte Ge, dass eine durch die CAEP durchgeführte Studie die Möglichkeiten zur Emissionsreduktion durch das neue Gesetz belegt habe. Einerseits biete das Gesetz neue Anreize für Unternehmen Maßnahmen zur Emissionsreduktion umzusetzen. Gleichzeitig sieht Ge positive Effekte durch das Online-Monitoring-System, welches aus staatlicher Perspektive genauere Daten liefere und aus der unternehmerischen Sicht oftmals niedrigere Abgaben bedeute. Seiner Einschätzung nach wird es unter dem neuen Umweltsteuergesetz eine voraussichtliche geringere Steuerlast für größere Unternehmen geben, als es aktuell unter der Umweltschutzabgabe der Fall ist. Insgesamt war das Netzwerktreffen sehr informativ und klärte die Teilnehmer eingehend über das anstehende Umweltsteuergesetz auf. Allerdings stehen bisher noch nicht alle Einzelheiten fest. Wie in solchen Fällen üblich in China werden weitere Details nach und nach in Form von öffentlichen Bekanntmachungen herausgegeben. Da dies auch kurzfristig erfolgen kann ist es für Unternehmen entscheidend, sich frühzeitig mit dem Gesetz und möglichen Einflussfaktoren auseinanderzusetzen.

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The Role of Market Instruments in Supporting China’s NDC Implementation (April 2017)

Im Zuge des Pariser Klimaschutzabkommens aus dem Jahr 2015 wurden individuell für jedes beteiligte Land sogenannte Nationally Determined Contributions (NDCs) verabschiedet. Sie enthalten spezifische klimapolitische Ziele und müssen nun nach der erfolgreichen Ratifizierung des Abkommens durch 144 Länder umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund organisierte die AHK Greater China Beijing am 27. April 2017 im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderten Climate Markets Cooperation-Projektes ein Netzwerktreffen mit Schwerpunkt auf marktorientierten Mechanismen zur Erreichung der chinesischen NDC-Ziele und lud Unternehmensvertreter und Experten dazu ein. Verschiedene Lösungsansätze wurden vorgestellt und Empfehlungen und Prognosen zu deren Wirksamkeit besprochen.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Dr. Gu Alun, Professorin an der Tsinghua Universität am Institut für Energie, Umwelt und Ökonomie, über die Vorgaben des chinesischen NDC und die Rolle von Marktinstrumenten, um diese zu erreichen. Zu Beginn fasste Dr. Gu die aus der NDC abgeleiteten Ziele zusammen. Demnach soll unter anderem der CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit im Jahr 2030 um 60 bis 65% auf Grundlage von 2005 reduziert werden. Um dies zu erreichen, müsse China in den kommenden Jahren eine Senkung um vier Prozent jährlich erzielen, was sogar die Raten von Industriestaaten übersteige. Zudem sollen die CO2-Emissionen in 2030 an ihrem Höhepunkt anlangen, wobei der Wunsch besteht, diesen früher zu erreichen. Außerdem soll bis 2030 der Anteil der nichtfossilen Energieträger am Primärenergieverbrauch bei 20% liegen und die Waldbestände im Vergleich zu 2005 um 4,5 Mrd. m³ ansteigen. Gu hob hervor, dass für das Erreichen dieser Ziele die Periode des 13. Fünfjahresplans bis 2020 zentral sein werde, da in diesen Zeitraum die Implementierung wichtiger Marktmechanismen falle. Darüber hinaus prognostizierte sie, dass Entwicklungsländer stärker als die Industriestaaten von den Mechanismen des Emissionshandels beeinflusst werden.

Speziell in China steht in diesem Jahr die Implementierung des nationalen Emissionshandelssystems (EHS) an, das laut Schätzungen der Expertin 50% der CO2-Emissionen abdecken wird und die Hälfte zum Erreichen des NDC beitragen soll. Einen bedeutenden Effekt des EHS-Handels sieht Gu darin, dass dieser zu einer Stabilisierung des CO2-Preises führen werde. Dies wiederum könne die Investitionen in grüne Technologien weiter stimulieren. Neben dem EHS wurde auch auf andere Marktmechanismen eingegangen, wie etwa eine Kohlenstoffsteuer. Momentan ist es noch offen, ob sich die Regierung für die Einführung einer solchen Abgabe entscheidet, denn die in den Ministerien für Umweltschutz und Finanzen geführten Debatten resultierten bisher noch in keinem klaren Ergebnis. Hindernisse, die gegen diese Steuer sprechen, lägen in dessen nur schwer erzielbarer Durchsetzbarkeit in den unterschiedlichen Regionen Chinas, da lokale Interessengruppen aus der Industrie großen Einfluss auf die Politik der lokalen Behörden ausüben. Außerdem führte Gu an, dass eine Kohlenstoffsteuer einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben würde. Sie betonte allerdings, dass dieser Effekt nur auf kurze Sicht zu erwarten sei und nicht langfristig anhalten werde. Um eine möglichst umfassende Einbeziehung aller Teile der chinesischen Wirtschaft zu gewährleisten, schlug Dr. Gu vor, dass eine Kohlenstoffsteuer auf jene Sektoren angewendet werden könnte, die nicht zu den acht abgedeckten Industrien des nationalen EHS gehören. Ein weiteres Instrument stellt die neue Umweltsteuer dar, die zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Darüber hinaus wurden das Carbon Labelling, welches momentan auf freiwilliger Basis betrieben wird und laut Gu zu einer weiteren öffentlichen Sensibilisierung führen könne, sowie die Einführung von Emissionsstandards, wie etwa bereits für die Zementindustrie umgesetzt, besprochen.

Als zweite Expertin berichtete Song Su, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Programm des nachhaltigen Transports des World Resources Institute (WRI), über Maßnahmen zur Umsetzung des NDC und legte dabei ihren Fokus auf den Verkehrssektor. Zuerst verwies sie darauf, dass von den 195 Unterzeichnerstaaten China eine besondere Rolle zukäme, da das Reich der Mitte mit 20% den höchsten Anteil aller Länder am globalen CO2-Ausstoß hat. Neben den allgemeinen NDC-Zielen Chinas erläuterte Song auch die Besonderheiten im Hinblick auf den Verkehrssektor. Dieser war 2014 für 10 bis 12% der CO2-Emissionen in China verantwortlich, wobei der Anteil in urbanen Räumen mit 26% noch weit höher lag. Deshalb soll unter anderem der Einsatz alternativer Antriebe und Kraftstoffe in China künftig verstärkt unterstützt werden. Außerdem soll darauf hingearbeitet werden, bis 2020 den Anteil der öffentlichen Transportmittel am motorisierten Verkehr in mittleren und großen Städten auf 30% zu erhöhen. Darüber hinaus unterstrich Song, dass der Schifffahrts- und Frachtsektor als Emittent von Treibhausgasen häufig unterschätzt bzw. nicht beachtet werde, trotz der teils hohen Umweltbelastungen und Feinstaubpartikel sowie der häufig vorhandenen Nähe von Wohngebieten an Häfen.

Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, stellte sie im Anschluss ausgewählte Projekte des WRI vor. Beispielsweise erarbeitet dieses in Kooperation mit chinesischen Behörden und Ministerien verschiedene Lösungen wie eine Park- und Staugebühr. Die Forschungseinrichtung unterstützt insbesondere durch die Erstellung von Kosten-Nutzen-Analysen und das Ausarbeiten effektiver finanzieller Modelle. Bei einem weiteren Projekt wird die städtische Administration in Qingdao dabei unterstützt, mittels moderner Messtechnik und Analysemethoden die Emissionen am dortigen Hafen zu bestimmen.

Im Anschluss bot sich den Teilnehmern die Möglichkeit, weitere Fragen an die Redner zu stellen. Dabei kamen zuerst Bedenken darüber zur Sprache, inwiefern die NDC-Ziele auch tatsächlich von der Regierung umgesetzt werden können. Dr. Gu verwies darauf, dass dies vor allem davon abhänge, ob es in den kommenden Jahren gelinge, die mittlere Wachstumsrate, die sich nach Jahren der rapiden Entwicklung der chinesischen Wirtschaft eingestellt hat, aufrechtzuerhalten. Außerdem käme es auch ganz entscheidend auf den künftigen Energiemix an. Sie fügte diesbezüglich hinzu, dass nach ihrer Einschätzung China sogar noch vor 2030 den Höhepunkt der CO2-Emissionen erreichen könne, je nach Ausprägung der erwähnten Einflussfaktoren. Anschließend folgte eine Diskussion zur Frage, ob nicht durch das stetig wachsende Engagement Chinas in anderen Entwicklungsländern und den Aufbau industrieller Kapazitäten vor Ort gleichzeitig die Emissionen dorthin verlagert würden. Dr. Gu schilderte, dass China trotz der hohen Produktionskapazitäten, die in das Reich der Mitte verlagert wurden, mittlerweile aufgrund der zahlreichen Aktivitäten in anderen Ländern als Nettoexporteur von CO2-Emissionen zu betrachten sei. Deshalb plädierte sie dafür, bei zukünftigen chinesischen Auslandsinvestitionen auch dem Klimaschutz eine höhere Bedeutung beizumessen. Insgesamt zeigte das Treffen, dass die im NDC anvisierten Ziele zwar klar formuliert sind, allerdings hinsichtlich deren Umsetzung noch einige Unwägbarkeiten bestehen, so dass es weiter spannend bleibt, auf welche Weise die konkreten Maßnahmen letztlich implementiert werden.

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Networking Meetings 2015-2016 (in German)

China’s National Emissions Trading System: Status, Structure and Challenges (December 2016)

In diesem Jahr plant die chinesische Zentralregierung den Start des nationalen Emissionshandelssystems (EHS) basierend auf den Erfahrungen der sieben Pilot­systeme, die seit über drei Jahren betrieben werden. Vor diesem Hintergrund organisierte die AHK Greater China Beijing am 14. Dezember 2016 im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderten Car­bon Market-Projektes ein Netzwerktreffen mit Fokus auf den aktuellen Status und die Ausgestaltung des nationalen EHS und lud Unternehmensvertreter und Experten dazu ein. Unter Berücksichtigung der Herausforderungen und Fortschritte der sieben regionalen Pilotprojekte wurden die Struktur und die Ent­wicklung des nationalen Systems diskutiert.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Zou Yi, Vice Director of Research & Development des China Beijing Environment Exchange (CBEEX), über den Status Quo des Pekinger Pilotprojektes sowie die Erwartungen für das kommende nationale EHS. Dabei zog Zou eine insgesamt positive Bilanz des Pekinger Modells und verwies auf dessen zufriedenstellende Performance in den vergangenen Jahren. So hat sich allein von 2015 bis 2016 das Volumen des Zertifikate­handels nahezu verdoppelt auf 6,2 Millionen Tonnen CO2, während der Umsatz um knapp 60% anstieg. Auffällig sei, dass das Onlinegeschäft in den letzten drei Jahren zusammengenommen mehr zum Umsatz beitrug als der klassische „over-the-counter“-Handel (OTC). Außerdem hob Zou Yi die Bedeutung von Einzelpersonen im Pekinger EHS hervor, die mit ihren Transaktionen einen wichtigen Beitrag dafür leisten würden, dass zusätzliche Liquidität für den Markt bereitgestellt wird. Insgesamt ließen diese positiven Daten und Resultate laut Zou auf eine in letzter Zeit kontinuierlich wachsende Marktaktivität schließen. Ein weiteres Ergebnis des Pekinger Pilotprojekts sind die reduzierten Emissionen der beteiligten Unternehmen. Diese konnten 2013 um 4,5%, 2014 um 5,96% und 2015 um 6,17% jeweils im Vergleich zu den Vor­jahren gesenkt werden. Auch andere Pilotprojekte wiesen vergleichbare Ergebnisse auf. Zou konstatierte, dass diese positiven Entwicklungen einen Beleg dafür darstellten, dass das System tatsächlich funk­tioniere. Damit seien bereits Grundvoraussetzungen gegeben, damit das nationale System 2017 implemen­tiert werden könne.

Weiterhin wurde die Struktur des nationalen EHS analysiert. Gemäß der National Development and Reform Commission (NDRC) werden Unternehmen, die in den acht Sektoren Energie, Mineralölverarbei­tung, Chemie, Baumaterialien, Stahl, Nichteisenmetalle, Papierherstellung sowie dem Luftfahrtsektor tätig sind, berücksichtigt. Allen in Frage kommenden Unternehmen ist gemein, dass sie die Voraussetzung, mindestens 26.000 Tonnen CO2 pro Jahr zu emittie­ren, erfüllen müssen, um ins nationale System einge­bunden zu werden. Es wird geschätzt, dass sieben bis zehntausend Unternehmen am Handel partizipieren werden und sich dessen Volumen auf drei bis vier Mil­liarden Tonnen CO2 pro Jahr belaufen wird. Der Um­satz soll jährlich acht Mrd. CNY im Spot- und bis zu 400 Mrd. CNY im Futuresmarkt betragen.

Als zweiter Experte berichtete Chen Zhibin, Senior Analyst von Sino Carbon Innovation & Investment, über die Struktur und den Entwicklungsstand von Chinas nationalem EHS. Um dieses wie geplant im Herbst 2017 zu starten, bedarf es der Erfüllung der folgenden fünf Meilensteine: Zuerst die Veröffentlichung der nationalen EHS-Regularien durch den State Council und anschließend die Implementierung des Systems zur Überwachung, Berichterstattung und Prüfung von Emissionen (Monitoring, Reporting and Verification; kurz MRV). Dem folgt die Einführung des Systems für die Registrierung und für die bereits genehmigten Handelsbörsen sowie letztlich die Allokation der Zertifikate. Darauf aufbauend soll in der ersten Phase bis 2019 das Ziel verfolgt werden, einen funktionierenden Markt für den Emissionshandel in China zu schaffen. Diesbezüglich schätzt Chen, dass es insbesondere im Hinblick auf die 37 teilnehmenden Regionen, die bisher mehrheitlich keine Erfahrung mit dem EHS sammeln konnten, zwei bis drei Jahre dauern werde, bis der Markt von diesen richtig eingeschätzt werden könne. Chen sprach in diesem Zusammen­hang von einem Prozess des „learning by doing“ und verwies dabei auch auf die bisher erzielten Erfolge im Bereich des Capacity Building: In acht nationalen EHS-Zentren wurden bereits rund 22.000 Trainings absolviert, um gerade unerfahrenen Vertretern der Regionen, die nicht durch die Pilotprojekte abgedeckt waren, die Möglichkeit zu geben, ein Verständnis für das neue System zu entwickeln. Teilnehmer waren insbesondere Entscheidungsträger von Seiten der Ad­ministration und Unternehmen sowie Vertreter der unabhängigen chinesischen Prüfstellen für die Zertifi­zierung von CO2-Emissionen. Insgesamt schreibt Chen diesen Schulungen auch in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle zu, um einen funktionierenden Markt zu entwickeln.

Im Hinblick auf das Allokationsverfahren werde man vor allem zu Beginn besonders in komplexen Sek­toren wie der Chemie- und Stahlindustrie verstärkt auf das sogenannte „Grandfathering“-Prinzip setzen und damit historischen Werten für die Emissionen vertrauen, da in diesen Segmenten qualitativ hochwertige Daten fehlen und nur schwer zu erheben seien. Das Vorhandensein dieser sei allerdings die Vorrausetzung, um das präferierte Benchmarking- Verfahren zu nutzen, welches auf dem Vergleich mit Referenzdaten basiert. Ziel sei es, diese Methode zeit­nah für alle Sektoren des EHS einzuführen. Darüber hinaus hat man sich in Bezug auf die Zuteilungen der Zertifikate auf den „Bottom-up“ Ansatz verständigt, der zunächst auf den Daten einzelner Unternehmen aufbaut. Chen Zhibin begründete dies damit, dass der Höhepunkt der industriellen Aktivität in China im Gegensatz zu Europa nicht erreicht sei und geht davon aus, dass dies im Jahr 2030 der Fall sein werde. Bis dahin werde es schwer sein, den industriellen Output und damit die Emissionen vorherzusehen, da fortwährend weitere Fabriken eröffnet würden. Als Konsequenz daraus ergebe es mehr Sinn, zuerst auf Provinzebene die Daten der einzelnen Unternehmen zu erfassen und die einzelnen Werte aufzusummie­ren. Anschließend würden die Ergebnisse dann der NDRC gemeldet. Erst danach werden die Zertifikate von dieser für jede Provinz zugeteilt. Insgesamt nehmen 31 Provinzen, fünf Städte und das Autonome Gebiet Xinjiang am nationalen EHS teil.

Des Weiteren wurde näher auf das MRV-System eingegangen. Momentan besteht für dieses kein ein­heitlicher nationaler Standard, um die unabhängigen chinesischen Prüfstellen zur Zertifizierung von Emis­sionen auszuwählen. Dies wird zurzeit in allen sieben Pilotsystemen unterschiedlich gehandhabt. Chen zeig­te sich allerdings zuversichtlich, dass eine Vereinheitli­chung in diesem Bereich im Jahr 2017 erreicht werden könne. Schließlich kam die Eröffnung eines weiteren Pilotsystems im Dezember 2016 in der südöstlichen Provinz Fujian zur Sprache, in dem zusätzlich zu den acht Sektoren des nationalen EHS noch die Keramikin­dustrie aufgenommen wird.

In der abschließenden Diskussion beantworteten die Referenten verstärkt Fragen zum Übergang der sieben Pilotsysteme in das nationale EHS. Dabei wurde deutlich, dass diese vorerst auch weiterhin parallel zum nationalen System bestehen bleiben. So werden beispielsweise im Pekinger System zwar die Mehrheit der Unternehmen in das nationale überführt, 900 davon verbleiben jedoch noch im bisherigen Pilotpro­jekt. Überdies wurde die Problematik angesprochen, dass die verschiedenen Systeme mit unterschiedlicher Software operieren. Hier sei es das Ziel, zumindest ein einheitliches Registrierungssystem zu schaffen. Darüber hinaus kam die Frage auf, ob eine Kohlenstoffsteuer für kleinere Unternehmen, die nicht durch das EHS abgedeckt werden, eingeführt wird. Dies verneinten die Referenten und fügten hinzu, dass vor 2020 keine Abgabe dieser Art in Sicht sei. Hinsichtlich des neuen Pilotsystems in Fujian wurden seitens der Teilnehmer Bedenken geäußert, ob dessen Start we­niger als ein Jahr vor dem geplanten Beginn des na­tionalen Systems sinnvoll sei. Die Referenten bejahten dies und wiesen darauf hin, dass gerade die gewon­nene Praxiserfahrung kurz vor der Implementierung des nationalen EHS durch einen solchen proaktiven Ansatz am nützlichsten für das Capacity Building in Bezug auf das nationale System sei. Eine Besonderheit stelle hierbei das Einbeziehen kleiner Unternehmen in das EHS und die Unterstützung aktueller emissionsarmer Projekte dar. Insgesamt wurde im Rahmen der Veranstaltung deutlich, dass für einen reibungslosen Übergang der regionalen Systeme in das nationale EHS noch zahlreiche Vorbereitungen und eine erhöhte Koordination zwischen den Regionen vonnöten sind.

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China’s Construction Materials Sector: Emissions Reduction and Integration into the National Emissions Trading System (November 2016)

Zu Beginn des Jahres verkündete die National Development and Reform Commission (NDRC) die acht Sektoren, die ab 2017 in das chinesische nationale Emissionshandelssystem (EHS) mit eingeschlossen werden sollen. Neben den Sektoren Energie, Mineralölverarbeitung, Chemie, Nichteisenmetalle, Luftfahrt und Papierherstellung werden auch die Baustoffbranche und die Stahlindustrie in das bevorstehende EHS integriert. Als weltweit größter Hersteller von Stahl und Zement steht China vor der wichtigen Aufgabe, den Energieverbrauch und die Emissionen dieser traditionellen Industriezweige weiter zu senken und gleichzeitig die bestehenden Überkapazitäten einzudämmen.

Vor dem Hintergrund des künftigen nationalen EHS veranstaltete die AHK Greater China Beijing bereits im August ein Netzwerktreffen. Dabei berichteten Experten über das vorgesehene System zur Messung und Verifizierung von Emissionen sowie über dessen Umsetzung in Industrieunternehmen. Ebenfalls im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderten Carbon Market-Projekts organisierte die AHK nun ein Netzwerktreffen mit Fokus auf die energie- und emissionsintensive Baustoffindustrie und lud am 24. November 2016 Unternehmensvertreter und Experten dazu ein. Zwei ausgewählte Referenten berichteten über Emissionen und Entwicklungen im chinesischen Baustoffsektor, mit besonderem Fokus auf die Stahl- und Zementindustrie.

Das Netzwerktreffen begann mit einem Vortrag von Prof. Jiang Kejun zum Potenzial und den Herausforderungen bei der Emissionsreduktion im chinesischen Stahl- und Zementsektor. Prof. Jiang, Research Professor des bei der NDRC angesiedelten Energy Research Institute (ERI) in Peking, ist einer der wichtigsten chinesischen Experten im Bereich der Evaluierung der Energie- und Klimapolitik. Neben seinen Forschungstätigkeiten ist er Hauptverfasser zahlreicher Berichte der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).

Prof. Jiang stellte mehrere Szenarien für die Energienachfrage und Emissionsentwicklungen in verschiedenen Industriesektoren vor. Seine Prognosen für die Zement- und Stahlindustrie zeigen, dass die Netzwerktreffen – Chinas Baustoffsektor: Emissionsreduktion und Integration in das nationale Emissionshandelssystem Produktionskapazitäten und folglich auch der Energiebedarf bis 2020 weiter ansteigen und ab 2030 eine sinkende Tendenz zu erwarten ist. Dies brachte er in Verbindung mit den im Land bebauten Flächen. 55 Prozent des in China produzierten Zements und 65 Prozent der Stahlproduktion werden im Gebäudesektor eingesetzt. Das bedeutet, dass die Nachfrage an Zement und Stahl zurückgehen wird, wenn sich die Entwicklung im Sektor in Zukunft verlangsamt. Seine Analyse beispielsweise zum Energieverbrauch in der Zementindustrie zeigte eine Senkung von knapp 300 TWh im Jahr 2010 auf unter 100 TWh in 2050. Eine ähnliche Tendenz prognostiziert er für den CO2 -Ausstoß in verschiedenen Industriesektoren, einschließlich Zement und Stahl.

Im Hinblick auf den Zeitrahmen und technologische Ansätze meinte er, dass China sich seit 2011 in Richtung des 2°C-Zieles bewege und den Höhepunkt der CO2 -Emissionen voraussichtlich bereits vor 2025 erreichen werde. Jahresangaben wie 2025 oder 2035 würden zwar vorerst den Eindruck einer noch weit entfernten Zukunft vermitteln, jedoch in Bezug auf Energiesysteme seien Zeitspannen, beispielsweise aufgrund der Einsatzdauer von Kohlekraftwerken von 40 Jahren, relativ kurz, weshalb heutige Entscheidungen einen enormen Einfluss auf die künftigen Emissionen hätten. Für die Implementierung der CO2 - Abscheidung und -speicherung (CCS) im Land sieht er bessere Bedingungen für die Zement- und Stahlindustrie als für den Energiesektor. Zugleich wies er auf die noch geringen Investitionen in diesem Bereich hin Prof. Jiang Kejun vom Energy Research Institute der NDRC berichtete über Potenziale und Herausforderungen bei der Emissionsreduktion im chinesischen Stahl- und Zementsektor econet monitor Ausgabe November 2016 Seite 11 Environment und äußerte sich für eine Politik zur Unterstützung der CCS-Technologie. Für die Zukunft glaubt er allerdings an die vermehrte Nutzung von kohlenstoffarmen Technologien, wie eine koksfreie Eisen- und Rohstahlerzeugung, beispielsweise durch den Einsatz von Wasserstoff als Reduktionsmittel.

In einem zweiten Vortrag gab Shi Lijie vom International Cooperation Department der China National Building Material Group (CNBM) Einblicke in Erfahrungen und Maßnahmen für eine kohlenstoffarme Entwicklung im Baustoffsektor aus Unternehmenssicht. Das chinesische Staatsunternehmen ist der weltweit führende Hersteller von Baumaterialien und der nationale Marktführer in China mit einem Anteil von rund 70 Prozent. Seine jährliche Produktion umfasst 530 Mio. Tonnen Zementklinker, 430 Mio. m3 Transportbeton, 2 Mrd. m2 Gipskarton und 1,78 Mio. Tonnen Fiberglas. Daraus stellt CNBM beispielsweise Rotorblätter für Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 16 GW her. CNBM beschäftigt um die 250.000 Mitarbeiter, darunter 38.000 Ingenieure und Wissenschaftler, und umschließt 70 nationale Forschungseinrichtungen sowie zertifizierte Test- und Inspektionszentren, mit einem Umsatz von rund 300 Mrd. RMB (ca. 40 Mrd. EUR).

Neben der Herstellung von hochwertigen und möglichst umweltverträglichen Baumaterialien gehört die Nutzung von industriellen und kommunalen Abfallprodukten zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Produktion von kohlenstoffarmen Produkten ebenfalls zur Philosophie des Unternehmens. Als Beispiel für die Umsetzung dieser Maßnahmen berichtete Shi über die Nutzung von jährlich 100 Mio. Tonnen Industrieabfall im Zementsektor und über die Reduktion des CO2 - und SO2 -Ausstoßes um 30 bzw. 10 Mio. Tonnen durch Energieeinsparung und Restriktionen im Bereich von Abgas- und Staubemissionen. Dabei nannte Shi Lijie die Pilotanlage „Cement Intelligent Plant“ und ermutigte die Teilnehmer des Netzwerktreffens sie zu besichtigen.

Ein weiteres Konzept der CNBM zur Energieeinsparung stellt das sogenannte „Energy Plus 5.0 House“ dar. Anhand dieses Konzepts lassen sich beispielsweise für ein 150 m2 großes Haus, 2,78 Tonnen Kohle und 34.500 Ziegelsteine einsparen und eine Senkung des Bauabfalls um 200 Tonnen und des CO2 -Ausstoßes um 7,23 Tonnen erzielen. Shi Lijie stellte auch zahlreiche Projektbeispiele der CNBM im Ausland vor, wie die Solaranlagen Shotwick, Wroughton Airfield und Roanhead in Großbritannien, das grüne Stadtdemonstrationsprojekt im Bezirk Miyun in Peking, das Luxushotelprojekt Xiang Shawan Lotus in der Mongolei und das Martinsen Wohnhausprojekt in Dänemark. Darüber hinaus berichtete sie über weitere Kooperationen der CNBM mit zahlreichen Ländern wie Japan, Deutschland und Frankreich.

In Bezug auf den Kohlenstoffmarkt sieht CNBM das EHS sowohl als eine Gelegenheit zur Beschleunigung von technologischen Innovationen als auch als eine Herausforderung zur Lösung von Überkapazitäten im Baustoffsektor. Dabei sollen Unternehmen ihre CO2 - Emissionsdaten verifizieren und im gesamten Firmenmanagement sowie bei der Planung von Projekten miteinbeziehen. CNBM sei ein aktiver Teilnehmer am Kohlenstoffmarkt und habe bereits in der Vergangenheit mehrere Projekte im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) initiiert. Seit 2016 ist das Unternehmen auch als unabhängige Prüfstelle für die Zertifizierung von CO2 -Emissionen in China akkreditiert.

Im Rahmen der abschließenden Diskussion beantworteten die beiden Referenten beispielsweise Fragen zu Emissionsdaten, die noch immer der chinesischen Regierung unterliegen und zumeist nicht veröffentlicht werden dürfen. Darüber hinaus haben die teilnehmenden ausländischen Unternehmensvertreter ihr Interesse an einer noch stärkeren Mitwirkung am chinesischen Markt für Energieeffizienz und Emissionsreduktion geäußert. Prof. Jiang bestätigte das Interesse Chinas, mit internationalen Unternehmen in diesem Bereich zusammenzuarbeiten und meinte, dass angesichts der Komplexität und großen Dimensionen der erforderlichen Entwicklungen im Land, spezielle Technologien und Komponenten von ausländischen Unternehmen seiner Erfahrung nach bevorzugt eingesetzt werden – insbesondere auch in energieintensiven Industrien. Für deutsche Unternehmen stellt dies zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten dar und hierfür bietet die AHK die nötige Unterstützung, um dieses Marktpotenzial nutzen zu können. Im Anschluss an die Veranstaltung bestand die Möglichkeit zum Gespräch mit den Referenten und zum weiteren fachlichen Austausch unter den Teilnehmern.

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Calculation and Verification of Carbon Emissions under the National Emissions Trading System (August 2016)

Auf Grundlage der Erfahrungen aus den bestehenden sieben Pilotprojekten in den Städten Peking, Tianjin, Shanghai, Chongqing und Shenzhen sowie den Provinzen Hubei und Guangdong hat die chinesische Zentralregierung den Start eines chinaweiten nationalen Emissionshandelssystems (EHS) für 2017 angekündigt. Gemäß der National Development and Reform Commission (NDRC) sind damit auch zahlreiche Industrieunternehmen zur Messung, Überwachung und Berichterstattung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Emissionsdaten werden in Zukunft von unabhängigen chinesischen Prüfstellen verifiziert, die jeweils von den lokalen DRCs benannt werden. Dementsprechend ist es für Unternehmen und deren zuständige Mitarbeiter entscheidend, sich frühzeitig für Chinas bevorstehendes EHS vorzubereiten. Sie müssen lernen, ihren Emissionsausstoß zu messen und sich mit den Anforderungen der künftigen Berichterstattung im Rahmen des nationalen EHS vertraut machen.

Vor diesem Hintergrund lud die AHK Greater China Beijing im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) am 22. August Firmenvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem mit zwei ausgewählten Referenten über die Berechnung und Kontrolle von Emissionen in Industrieunternehmen sowie das im chinesischen EHS vorgesehene System zur Überwachung, Berichterstattung und Prüfung (Measurement, Reporting and Verification; kurz MRV) von Emissionen diskutiert wurde.

Zu Beginn des Treffens informierte Tian Pin von Bureau Veritas über die grundsätzlichen Voraussetzungen zur Aufnahme von Unternehmen in das nationale EHS: Gemäß NDRC sind Unternehmen betroffen, die in den acht Sektoren Energie, Mineralölverarbeitung, Chemie, Baumaterialien, Stahl, Nichteisenmetalle, Papierherstellung sowie dem Luftfahrtsektor tätig sind, und deren Energieverbrauch 10.000 Tonnen Standardkohlenäquivalent in einem oder mehreren Jahren im Zeitraum 2013-2015 überschritt. Wie bereits bei den Pilotprojekten werden damit auch ausländische Unternehmen, die über hohe CO2-Emissionsraten verfügen und in besonders energieintensiven Sektoren verortet sind, in das nationale EHS mit eingeschlossen, wenn sie die festgelegten Kriterien erfüllen. Neuerungen im EHS betreffen auch die Fristen: In der Vergangenheit mussten Unternehmen und Anlagenbetreiber ihre Emissionsberichte zu einer bestimmten Deadline im ersten Quartal des Jahres einreichen, nunmehr sind die Fristen über das ganze Jahr verteilt, in Abhängigkeit vom jeweiligen Industriesektor.

Im weiteren Verlauf des Fachvortrags stellte Tian empfohlene Methoden und Schritte zur Emissionsberechnung vor und betonte gleichsam die Notwendigkeit einer geregelten und zuverlässigen Vorgehensweise bei der Quantifizierung, unter Berücksichtigung der Emissionsfaktoren unterschiedlicher Energieträger. Um sich zielgerichtet auf das nationale EHS vorzubereiten, sollten Unternehmen auch auf die kürzlich erscheinenden offiziellen Schulungsunterlagen der NDRC, die unter anderem von UNDP finanziell unterstützt wurden, zurückgreifen, so der Experte.

Als zusätzliche Alternative für die anfängliche Erfassung von Emissionen bei der Herstellung eines Produkts und die Quantifizierung zu einem späteren Zeitpunkt verwies Tian Pin auch auf die weltweit anerkannten Standards PAS 2050 und ISO 14064. Dabei wird der Ausstoß von gefährlichen Treibhausgasen vom Ressourcengewinn über die gesamte Produktionskette bis hin zum Verbrauch und den Abbau überprüft und durch das Unternehmen verursachte direkte oder indirekte Emissionen berücksichtigt.

Im Anschluss gab Zhang Lixin vom China Quality Certification Center (CQC) den knapp 30 Teilnehmenden der Veranstaltung einen Überblick über das künftige, im nationalen EHS vorgesehene MRV-System. Sie bot dabei auch eine vergleichende Analyse mit den diesbezüglich bestehenden Systemen in der EU und den USA.

In China sind die NDRC und die lokalen DRCs für MRV im EHS zuständig: NDRC entwickelt die entsprechenden Richtlinien, während die DRCs für die Auswahl der Verifizierungsstellen und den Ablauf der Verifizierung verantwortlich sind. Das CQC ist eine von 29 Einrichtungen, die von Beijing DRC offiziell als Prüfstelle akkreditiert wurden und arbeitet zurzeit in einem Projekt gemeinsam mit der World Bank an der weiteren Entwicklung und Verbesserung des MRV-Systems, das künftig im nationalen EHS Einsatz finden wird. Dabei sollen auch die bisherigen Erfahrungen in China berücksichtigt werden, die laut Zhang zeigen, dass zuverlässige Daten nur dann erhalten werden können, wenn die Verifizierung effektiv, das Berichtsystem einfach gestaltet und die Richtlinien für Monitoring und Reporting akkurat sind. Detailliertere Anleitungen für die Erfassung von Treibhausgasen, den Datenbericht sowie zur Verifizierung wurden bereits entwickelt und in drei unterstützenden Dokumenten festgehalten. Die Verifizierung selbst durchläuft wie international üblich einen dreiteiligen Prozess, in dem zunächst eine Vorbereitungsphase vorangeht, bevor in der Implementierungsphase Dokumente überprüft sowie Unternehmensstandorte und Anlagen besichtigt werden. In einem dritten Schritt wird dann der Bericht vom akkreditierenden Prüfer fertiggestellt.

Im Rahmen des Vortrags verglich die Expertin des CQC auch das chinesische MRV-Verfahren mit dem europäischen System, deren Unterschiede besonders für ausländische Firmen interessant sind, die beispielsweise bereits am EU-EHS teilnehmen. Beim MRV der EU müssen Verifizierungsstellen spezielle Kriterien erfüllen, beispielsweise bei der Einrichtung eines angemessenen Qualitätsmanagementsystems oder von Mechanismen um Unabhängigkeit und Objektivität zu wahren. Auch China orientiere sich an diesen Voraussetzungen für die eigenen Verifizierungseinrichtungen. Die geforderte berufliche Qualifikation der chinesischen Prüfer sei darüber hinaus laut Zhang auch mit den entsprechenden Voraussetzungen des MRV-Systems im US-Bundesstaat Kalifornien vergleichbar.

In der anschließenden Diskussion standen vor allem das geplante MRV-System, die Verifizierungsorgane sowie der weitere Bedarf an Ausbildung und Kapazitätsentwicklung zur Vorbereitung auf das nationale EHS im Vordergrund. So wurde über die Relevanz und die genaue Ausgestaltung des MRV-Systems diskutiert, das eine glaubwürdige und robuste Datengrundlage zur Ermittlung von Emissionen liefern soll, um die Funktionsfähigkeit des chinesischen Emissionshandels und den Erfolg der damit verbundenen Minderungsmaßnahmen sicherzustellen. Gerade die externen Prüfungsstellen waren im Rahmen der Diskussion auch von großem Interesse für die Teilnehmer, da ihre Arbeitsweise bei der Verifizierung der Daten, ihr Einfluss auf die Entscheidungen der Behörden und ihre interne Struktur derzeit noch wenig transparent gestaltet sowie bislang keine ausländischen Prüfer zugelassen sind. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass neben der genauen Erhebung von Emissionsdaten auf Unternehmensebene insbesondere auch weitere institutionelle Vorbereitungen auf Seiten der Behörden entscheidend sein werden, damit das landesweite MRV-System künftig erfolgreich im Rahmen des nationalen EHS umgesetzt werden kann. In diesem Zusammenhang sollten sowohl Unternehmen als auch die zuständigen Behörden und externen Prüfungsinstitutionen noch besser qualifiziertes Personal ausbilden. Rückblickend konnten die Vorträge sowie die Diskussionsrunde neben der Klärung von offenen Fragen auch zu einer allgemeinen Sensibilisierung des Themas beitragen.

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China’s Aviation Sector: Emissions Reduction and Integration into the National Emissions Trading System (April 2016)

Der Verkehrssektor weist aufgrund seines hohen Energiekonsums signifikante Umweltauswirkungen auf. Im Hinblick auf die verschiedenen Verkehrsmittel sind dabei deutliche Unterschiede bei Energieverbrauch und Emissionsausstoß erkennbar, wobei in letzter Zeit zunehmend umweltfreundlichere Technologien beispielsweise im Bereich der Elektromobilität an Bedeutung gewinnen.

Der Luftfahrtsektor hat sich in den vergangenen Jahren sowohl global als auch in China ebenfalls hin zu geringerem Kerosinverbrauch und weniger CO2-Emissionen entwickelt. Nichts desto trotz weist die Branche nach wie vor hohe Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) und damit einen wesentlichen Einfluss auf die Umwelt auf. In diesem Zusammenhang stellt die Einbindung des Sektors in Emissionshandelssysteme (EHS) eine Möglichkeit zur weiteren Emissionsreduktion dar.

Ende Januar hat die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) die acht Sektoren, die das chinesische EHS beim für 2017 angekündigten Start auf nationaler Ebene umfassen wird, festgelegt. Neben den Schlüsselindustrien Energie, Mineralölverarbeitung, Chemie, Baumaterialien, Stahl, Nichteisenmetalle und Papierherstellung soll auch der Luftfahrtsektor eine integrale Rolle spielen.

Im Hinblick auf das EHS in China ist daher eine detaillierte Betrachtung der Potenziale zur Reduzierung der Emissionen der Luftfahrtindustrie und der Implikationen für die Integration des Sektors in den chinesischen Kohlenstoffhandel von aktueller Relevanz. In diesem Kontext lud die AHK Greater China Beijing im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) am 6. April Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem mit zwei ausgewählten Referenten Emissionsreduktionspotenziale im Luftfahrtsektor und dessen Einbindung in das chinesische EHS diskutiert wurden.

Zu Beginn des Treffens informierte Robert Earley von der Firma MotionECO die rund 30 Teilnehmer über aktuelle Entwicklungen und Kennzahlen des globalen Luftfahrtsektors sowie Maßnahmen zur Emissionsreduktion. Dabei wurde deutlich, dass der Sektor seit 1969 um durchschnittlich 5 Prozent konstant im Hinblick auf Passagierkilometer und Luftfracht gewachsen ist und dass auch zukünftig von einer positiven Entwicklung ausgegangen wird. So rechnen die großen Flugzeughersteller mit einer Verdopplung der Anzahl ihrer in Betrieb befindlichen Flugzeuge im Zeitraum 2015 bis 2034. Wachstumstreiber ist aufgrund sinkender Beförderungspreise die Erschließung der Märkte in Schwellen- und Entwicklungsländern, wobei insbesondere Asien mit einem hohen Potenzial hervorsticht.

Das Wachstum des Luftfahrtsektors in den vergangenen Jahrzehnten hat jedoch auch zu einem signifikanten Anstieg der THG-Emissionen und damit der Klimawirksamkeit der Branche geführt. Im Jahr 2013 hat der Sektor mehr als 700 Millionen Tonnen THG-Emissionen generiert und derzeit trägt er mit einem Anteil von 2 Prozent zu den weltweit vom Menschen verursachten THG-Emissionen bei. Bis 2050 wird ein Beitrag von 3 Prozent erwartet. Zu berücksichtigen ist dabei neben den CO2-Emissionen auch der Ausstoß von Schadstoffen wie zum Beispiel Stickoxiden und Sulfaten oder von Kondensstreifen, deren jeweilige Auswirkungen auf das Klima noch nicht abschließend erforscht sind, so Earley.

Obwohl der Luftfahrtsektor also signifikante Umweltauswirkungen aufweist, wurde er bisher aufgrund der komplexen internationalen Verflechtungen weder im Kyoto-Protokoll noch in der Vereinbarung der UN-Klimakonferenz in Paris im vergangenen Jahr berücksichtigt. Im Rahmen der International Civil Aviation Organization (ICAO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen zur Förderung des nachhaltigen Wachstums des Luftverkehrs, haben sich die Mitgliedsländer jedoch dazu verpflichtet, dass die Netto-CO2-Emissionen des Luftfahrtsektors ab 2020 nicht weiter ansteigen sollen. Die ICAO schlägt dabei durch die Entwicklung von Effizienzstandards und eines Modells für einen ab 2020 zu implementierenden, globalen, marktbasierten Kohlenstoffhandel den Rahmen zur Erreichung dieses Ziels vor.

Darüber hinaus hat sich die Luftfahrtindustrie in Anlehnung an die Vorhaben und Maßnahmen auf Länderebene in Form einer Selbstverpflichtung ebenfalls das Ziel gesetzt, durch technologischen Fortschritt und einen Kohlenstoffhandel ab 2020 kein Nettowachstum der Emissionen mehr zu verursachen und ab 2037 die THG-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren.

Technologien und Maßnahmen für einen umweltverträglicheren Luftfahrtsektor können unter anderem aerodynamische Verbesserungen, effizientere Triebwerke, Elektro- und Wasserstoffantriebe, Biokraftstoffe sowie optimierte Flugrouten darstellen. Robert Earley verdeutlichte allerdings auch, dass dabei fraglich ist, ob die Unternehmen ihre Selbstverpflichtung einhalten werden und welcher Zeitraum für die Marktreife neuer Technologien benötigt wird. Um dem auch künftig stark wachsenden Flugverkehr und den daraus resultierenden Emissionen begegnen zu können, empfiehlt er eine Kombination von innovativen Technologien mit der Implementierung marktbasierter Mechanismen und fokussierter Vorschriften auf internationaler Ebene.

Als zweiter Sprecher präsentierte Dr. Zhou Jian vom Institute of Energy, Environment and Economy der Tsinghua Universität den Forschungsstand und Analysen zur Integration des Luftfahrtsektors in das nationale EHS in China. Einführend skizzierte der Wissenschaftler dabei bisherige sowie zukünftige Klimaschutzmaßnahmen und -ziele im Reich der Mitte.

So hat China im Zeitraum 2005 bis 2013 seine CO2-Intensität in Bezug zum erwirtschafteten BIP um 33,8 Prozent gesenkt und bis 2020 soll eine Reduktion um 45 Prozent erreicht werden. Nach wie vor ist Chinas Kohlenstoffdioxid-Ausstoß im Verhältnis zum erwirtschafteten BIP jedoch mehr als doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt und bietet viel Raum und Potenzial zur Senkung. Allerdings sind gesteigerte Anstrengungen im Land nötig, um das für 2030 gesetzte Reduktionsziel von 60 bis 65 Prozent erreichen zu können, so Dr. Zhou. Dabei soll mit dem Fokus auf die Bereiche Industrie, Bauen und Transport das Credo „von relativer zu absoluter Emissionsreduktion“ verfolgt werden, verdeutlicht der Professor. Die Reformierung der Marktmechanismen und die für 2017 vorgesehene Einführung des nationalen EHS unter Einbindung des Luftfahrtsektors bilden daher entscheidende Bestandteile der klimapolitischen Strategie.

Insgesamt ist für den Zeitraum 2015-2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen des chinesischen Luftfahrtsektors um 7 Prozent im Flugverkehr und 15 Prozent auf den Flughäfen vorgesehen. Für die Integration des Sektors in das nationale EHS sind dabei die Preisgestaltung und der Fokus auf große Emittenten wesentlich. Darüber hinaus ist laut dem Wissenschaftler die Verbindung mit den derzeitigen Pilotmärkten für Emissionshandel, den Zielen des 13. Fünfjahresplans (2016-2020) zu CO2-Emissionen sowie Energieverbrauch und die Auswahl eines geeigneten Allokationsverfahrens für Emissionszertifikate zentral. Im Hinblick auf eine erfolgreiche Einbindung des Luftfahrtsektors in das EHS sieht Dr. Zhou weiteren Forschungsbedarf zur Verbesserung der Datenverfügbarkeit sowie der Entwicklung der Nachfrage verschiedener Akteure nach Zertifikaten und der Berechnungsmethode zur Zertifikatsallokation.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Forschung derzeit hinsichtlich der Integration des Luftfahrtsektors in das chinesische EHS noch auf die Grundlagen fokussiert. Außerdem wurden die Potenziale von Biotreibstoffen für den Luftfahrtsektor und ihr Beitrag zur Emissionsreduktion diskutiert. Die Teilnehmer kamen zu dem Ergebnis, dass Kraftstoffe auf biologischer Basis einen wesentlichen Anteil zur Emissionsreduktion im Luftfahrtsektor leisten können. In diesem Zusammenhang ist von Emissionseinsparungen von bis zu 90 Prozent bei Biokraftstoffen im Vergleich zu herkömmlichen Treibstoffen auszugehen. Damit kann deren Beimischung zu konventionellem Kerosin zu einem geringeren Emissionsausstoß von 5-15 Prozent führen. Weiterer Bedarf besteht an dieser Stelle bezüglich Forschung zur Qualität des Kraftstoffs sowie bei der Durchführung von Pilotprojekten zu dessen Verwendung.

Insgesamt bleiben mit Blick auf den Start des nationalen EHS in 2017 die Ausgestaltung und das sich aus der Integration des Luftfahrtsektors in den Emissionshandel entwickelnde Emissionsreduktionspotenzial von besonderem Interesse.

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China’s Emissions Trading System: Status, Challenges and Outlook (December 2015)

Mitte 2013 hat die chinesische Regierung mit dem Start von Shenzhen als erstem Pilotprojekt damit begonnen, ihre Pläne für die Implementierung eines Emissionshandelssystems (EHS) in die Tat umzusetzen. In der Zwischenzeit hat die Zentralregierung in Peking auch den Start eines nationalen EHS für 2017 angekündigt. Als Resultat können im jetzigen Stadium Ergebnisse und Herausforderungen der mittlerweile sieben Pilotprojekte identifiziert und mit Blick auf das zukünftige, nationale EHS analysiert werden. In diesem Kontext lud die AHK Greater China Beijing im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) am 14. Dezember Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem die bisherigen Erfahrungen sowie bestehenden Erwartungen an Chinas EHS diskutiert wurden. Bei dem Treffen schilderten zwei ausgewählte Experten den mehr als 30 Veranstaltungsteilnehmern den aktuellen Stand der chinesischen EHS-Pilotsysteme sowie die Entwicklung und potenzielle Struktur von Chinas nationalem EHS.

Zu Beginn des Treffens informierte Wu Yue von China Beijing Environment Exchange (CBEEX) die Teilnehmer über den Status Quo der chinesischen Pilotprojekte und bot den Gästen daneben zahlreiche Einblicke in das 2017 startende nationale EHS. Seit dem Jahr 2011, welches den Beginn der Vorbereitungsphase der Pilotprojekte darstellte, hat es weitreichende Fortschritte in Richtung eines nationalen EHS in China gegeben. Zwischen Mitte 2013 und Mitte 2014 wurden insgesamt sieben Pilotprojekte in Shenzhen, Shanghai, Peking, Guangdong, Tianjin, Hubei und Chongqing gestartet. Diese Pilotphase läuft noch bis Ende 2016, im Jahr 2017 soll dann bereits ein nationales EHS mit acht einzubeziehenden Industrien anlaufen. Mit Blick auf die Einführung eines nationalen EHS hat die Nutzung von marktbasierten Mechanismen zur Bekämpfung von Umweltproblemen in China mittlerweile an Wichtigkeit gewonnen. Offizielle Dokumente, wie beispielsweise der 12. Fünfjahresplan, sehen die graduelle Einführung eines Kohlenstoffmarktes vor. Eine weitere Grundlage für Chinas EHS sind die konkreten Zielvorgaben, welche die Regierung im Rahmen der Emissionsminderung erlassen hat, da diese direkt den Ausstoß und somit den Emissionshandel beeinflussen. Bei Start wird das nationale EHS neben den Schlüsselindustrien Petrochemie, Elektrizität, Chemie, Baumaterialien, Papierherstellung und Buntmetall auch den Luftfahrtssektor umfassen.

Das EHS in Peking startete im November 2013 und ist bislang das einzige Pilotprojekt in China das eine überregionale Partnerschaft im Emissionshandel eingehen konnte –beispielsweise mit der nordöstlich der Hauptstadt gelegenen Stadt Chengde. Pekings Pilotsystem schließt neben den zur Umsetzung verpflichteten und nicht verpflichteten Teilnehmern auch zusätzlich natürliche Personen als potenzielle Teilnehmer am Emissionshandel mit ein. Die Umsetzung der Zielvorgaben wird durch die strengsten Strafmaßnahmen aller sieben Pilotprojekte gewährleistet, die teils sehr hohe Strafzahlungen bei Nichteinhaltung vorsehen. Das Handels- und Umsatzvolumen im ersten Halbjahr 2015 ist im Vergleich zum Vorjahr exponentiell gestiegen. Insgesamt erfolgten über 50 Prozent aller Transaktionen „over the counter“ (OTC), was den Marktteilnehmern extensiv Gelegenheit zu Verhandlungen einräumte. Laut Wu konnte das Pilotprojekt in Peking den CO2-Ausstoß von zur Umsetzung verpflichteten Unternehmen in 2014 um annähernd 6 Prozent senken. Während mit Blick auf Emissionshandelszertifikate vor allem in Peking und Shenzhen noch hohe Preise die Norm sind, haben sich die Preise in Shanghai und Guangdong in die gegenteilige Richtung entwickelt. Insgesamt ist die Pilotphase für China deshalb von essenzieller Bedeutung, da auf Basis dieser die Ausgestaltung und Elemente des zukünftigen, nationalen EHS – unter Mitwirkung der Öffentlichkeit – in einem kontinuierlichen Prozess festgelegt werden sollen, so Wu.

Als zweiter Sprecher gab Dr. Chai Qimin vom National Center for Climate Change Strategy and International Cooperation (NCSC) den Teilnehmern einen Überblick über Chinas Low-Carbon-Politik sowie einen Ausblick auf die Entwicklung und potenzielle Struktur von Chinas nationalem EHS. Bereits im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris hatte sich China im Rahmen seiner Klimaschutzzusagen bis 2030 zu weiterreichenden Emissionseinsparungen verpflichtet. Der erfolgreiche Abschluss der Klimakonferenz geht einher mit Chinas eigenem Bestreben, einen kohlenstoffarmen Entwicklungspfad einzuschlagen und damit positiv auf Umwelt und Wirtschaftswachstum einzuwirken. Neben einem deutlichen Bekenntnis aller Unterzeichnerstaaten zur intensiveren Nutzung von CO2-reduzierenden, marktbasierten Mechanismen in Artikel 6 des Klimaabkommens von Paris beabsichtigt die chinesische Regierung darüber hinaus, mit einem jährlichen Investitionsvolumen von 230 Mrd. EUR unter anderem 3 Mio. neue Arbeitsplätze im Umwelt- und Klimaschutzsektor zu schaffen sowie den Ausstoß luftverschmutzender Partikel bis 2030 um 80 Prozent zu senken.

Laut Chai, der aktiv an den Klimaverhandlungen in Paris teilgenommen hat, schließen sich Wirtschaftswachstum und Umweltschutz damit nicht aus. Grünes Wachstum ist insbesondere im Kontext des langsameren Wachstums, auch als „New Normal“ bezeichnet, sowie der sich intensivierenden Umweltproblematik gefragter denn je. Mit der fortschreitenden Förderung kohlenstoffarmer Industrien soll der Start des nationalen EHS nicht als Wachstumshindernis, sondern vielmehr als Vorteil gesehen werden und den Trend hin zu mehr grünem Wachstum nachhaltig beschleunigen. Doch was ist für die erfolgreiche Etablierung des landesweiten EHS notwendig? Vor allem die Erfahrungen aus den sieben laufenden Pilotprojekten dienen der Zentralregierung dazu, geeignete politische Fördermaßnahmen zu schaffen, um einen effizienten Übergang der Pilotprojekte von der regionalen zur nationalen Ebene zu garantieren. Neben Ausbau und Innovation im Bereich grüner Finanzdienstleistungen und Finanzierungsmöglichkeiten stellt die Ausgeglichenheit zwischen den etablierten lokalen und dem zukünftigen nationalen EHS ein Schlüsselthema dar. Führende Pilotprojekte wie Peking oder Shenzhen besitzen wertvolle praktische Erfahrungen, die andere chinesische EHS-Pilotprojekte in dieser Form nicht aufweisen können. Im Rahmen der Etablierung nationaler Strukturen und Regelwerke ist es daher notwendig, Erfahrungen der führenden regionalen EHS in einem nationalen EHS entsprechend zu berücksichtigen, dieses jedoch als für alle sieben Pilotprojekte annehmbares und geeignetes System zu konzipieren, so Chai.

In der anschließenden Diskussion zeichneten die Teilnehmer ein insgesamt positives Bild des Status Quo von Chinas EHS. Von besonderem Interesse waren dabei die in lokalen EHS zur Umsetzung verpflichteten Unternehmen und deren Ausblick auf den Start des nationalen EHS in 2017. Es wurde hervorgehoben, dass sich die Unternehmen dabei insbesondere auf den überregionalen Handel von Emissionszertifikaten vorbereiten. Die Rolle Chinas während der Klimakonferenz in Paris stellte eine weitere zentrale Frage während des Treffens dar. Als zweitgrößte Volkswirtschaft, größter CO2-Emittent und wichtigste Entwicklungsnation der Welt hatte China eine entscheidende Rolle in der Verabschiedung eines bindenden neuen Klimavertrags inne. Chinas proaktive Rolle in den letzten Jahren ist unter anderem mit einem rasanten Anstieg grüner Investitionen und, damit verbunden, dem Streben nach einer führenden Rolle im Markt für Erneuerbare Energien und energieeffiziente Lösungen zu erklären. Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des chinesischen Kohlenstoffmarkts bleiben der für 2017 angesetzte Start des nationalen EHS und seine Struktur damit von besonderem Interesse.

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Efficient Regulation Mechanisms for a Dynamic Chinese Carbon Market (November 2015)

Starting in mid-2013, the Chinese government has begun implementing its plans for an emissions trad­ing system (ETS) by launching Shenzen as the first pi­lot project, with a total of seven pilot schemes today. China and other countries establishing an ETS need to avoid the build-up of a substantial surplus of emis­sions allowances, leading to low carbon prices and thus a weaker incentive to reduce emissions.

As a result, suitable design features for the trading systems as well as regulation measures need to be ap­plied. In this context, German Industry & Commerce Greater China Beijing, on behalf of the German Feder­al Ministry for the Environment, on 6 November 2015 organized a Networking Meeting on the topic of ef­ficient regulation mechanisms for a dynamic Chinese carbon market. At the meeting, experts informed the over 30 participants about experiences of the emis­sions trading pilots this year in China as well as poten­tial regulation instruments, such as a carbon tax, and their effects on emissions trading.

At the beginning of the meeting, Chen Zhibin from SinoCarbon Innovation & Investment informed the participants about this year’s experience of the sev­en pilots, with an emphasis on their unique develop­ment and China’s plans to establish a national ETS by 2017. Due to lack of information on how to decide the best way for implementing low-carbon policies, a top-down command policy does not present an effec­tive long-term solution. According to Chen, a market-based ETS, on the other hand, provides a more suit­able means to put the right price on carbon through market mechanisms.

The seven ETS pilots have shown to develop quite het­erogeneous. Whereas Beijing and Shenzen include a large number of small emitters from diverse sectors, Hubei is characterized primarily by large industrial emitters, making up roughly half the trading volume of the Chinese carbon market. Shanghai is unique in that China’s largest city has two standards for including en­terprises: one designed for industrial enterprises, such as electricity and steel in addition to a non-industrial standard, including, for instance, shopping malls and commercial office buildings.

The allocation of emission allowances can be done either through “grandfathering”, where allocation is based on historical emissions of enterprises – mean­ing the enterprises that emit most could receive more allowances – or through benchmarking, where the government and industry experts sets a specific benchmark for emission output for industry-specific enterprises, for instance based on tons of carbon di­oxide per product unit. Benchmarking thus offers the potential for a fairer system as it provides a consis­tent allocation methodology for both new and exist­ing market participants and rewards early action as well as upgrades in technology. Nevertheless, due to insufficient availability of data, grandfathering is still the more widely used method for allocation across technologically divergent industries in China.

Besides a fair and efficient allocation method, com­pliance is central. After 2013 still left room for im­provement, 2014 saw an across-the-board rise on compliance rates. The Beijing Municipal Commission of Development and Reform (BDRC), for example, has its own executive team that can impose and enforce fines for companies not reporting their emissions.

Besides the significance of an accurate and fair alloca­tion method for allowances and the key role of local DRCs to implement a long-term system for monitor­ing, reporting and verification (MRV), experiences have shown that it is essential to maintain communi­cation and keep the industry informed about develop­ments regarding emissions trading and the accompa­nying MRV-system, to focus on a manageable number of emitters and to regularly revise market rules to adapt them to market realities, according to Chen.

Following as the second speaker, Dr. Jiang Kejun from the Energy Research Institute of the National Devel­opment and Reform Commission (NDRC) provided an overview on China’s low-carbon development and car­bon pricing. With the aim to peak emissions by 2030, if not earlier, 2014 marked the high point for coal con­sumption so far and, consequently, coal-fired power production in China. Although investments into coal still remain at high levels, the government continues to replace coal-fired power plants with cleaner, low-carbon alternatives to reduce not only emissions but also the endemic air pollution in the country’s urban centers.

The coal industry thus stands before a crossroads: if the operators of coal-fired power plants want to maintain current output levels, buying emission certif­icates becomes unavoidable; otherwise a reduction in output becomes necessary. The price of coal is thus a decisive factor for a low-carbon path of development, with high coal prices translating to lower profit mar­gins and more closed-down plants. In this vein, anal­yses have shown that the potential negative effects of an energy or carbon tax on GDP are economically feasible compared to the potential positive impacts of reducing energy demand in China.

Whereas an energy tax, while reducing GDP by 0.4 percent annually, could decrease energy consumption by over 16 percent until 2030, a carbon tax could po­tentially reduce consumption even further, by up to 23 percent in the same timeframe with almost simi­lar effects on GDP. According to Dr. Jiang, especially a carbon tax could thus be a useful instrument in the government’s toolbox for putting the right price on carbon and to lead China into a more sustainable, low-carbon future.

With only negligible effects on GDP, a move towards more clean and renewable energy options would also help to promote investments as well as research and development into new, more efficient technologies. With rapidly rising investments into new and renew­able energies and an overachievement of past and present policy targets, abolishing future target re­quirements in this field altogether might be the most reasonable solution to encourage further investment.

In the following discussion, participants drew an over­all positive picture of recent developments in China’s pilot projects. Of particular interests were the struc­ture of a national ETS and the role the already estab­lished pilot projects could play in such a system. It was highlighted that there has not yet been a final decision by the central agency responsible, the NDRC, of how to effectively administer the seven pilots when the na­tional ETS will be established by 2017. The implemen­tation of a carbon tax was another central question during the meeting.

Both speakers agreed that a strong carbon policy is needed as a prerequisite for the tax to work effec­tively. Additionally, there was broad consensus that in order for an ETS or carbon tax to work as intended, allowances should not be free as this – depending on the scale – could significantly distort the underlying market mechanisms and hinder the progression of a national carbon market. Looking at the future devel­opment of the Chinese carbon market, the national ETS and its structure remains a key area of interest.

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Market-based Mechanisms for the Promotion of New Energy Vehicles in China (August 2015)

Mit Blick auf die Aussage des chinesischen Vize-Premierministers Ma Kai im Mai diesen Jahres, den Automobilsektor in ein zukünftiges Emissionshandelssystem mit einzubeziehen, um die weitere Entwicklung von Elektromobilität nachhaltig zu unterstützen, lud die AHK Greater China Beijing am 5. August Unternehmensvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem der aktuelle Status sowie die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zur Förderung von kohlenstoffarmer Mobilität in China diskutiert wurden. Im Rahmen des Treffens wurde auch die potenzielle Einführung eines „Zero Emission Vehicle“ (ZEV) Kreditsystems in China thematisiert und auf Perspektiven, Chancen und Herausforderungen eines solchen Systems eingegangen. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Carbon Market-Projekts statt, welches durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert wird.

Zu Beginn des Treffens sprach Kang Liping, Project Manager für Clean Transportation des Innovation Center for Energy and Transportation (iCET), über die Möglichkeit der Einführung eines auf China zugeschnittenen ZEV-Kreditsystems zur Förderung von Elektromobilität und betonte dabei die Erkenntnisse, welche aus dem ZEV-Kreditprogramm im US-amerikanischen Bundesstaat Kalifornien gewonnen werden können. Die Funktionsweise des Programms fußt auf dem Angebot-Nachfrage Prinzip, welches Autohersteller mit einem jährlichen Absatz von mehr als 60.000 Großraumfahrzeugen dazu verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an ZEV-Krediten vorzuweisen. Hersteller mit geringeren Absätzen und kleineren Modellen müssen das Mandat nur unter bestimmten Bedingungen bzw. gar nicht befolgen. Kredite werden an Hersteller emissionsarmer Fahrzeuge vergeben, was zur Entstehung eines Kreditmarkts führt. In diesem können Hersteller klimaschonender ZEVs ihre Kredite an Hersteller emissionsintensiverer Fahrzeuge gewinnbringend verkaufen. Bei Nichteinhaltung der Vorgaben werden teils hohe Abgaben fällig. Somit besteht der intendierte Marktanreiz darin, möglichst innovative Technologien und ambitionierte Methoden bei der Produktion neuer, kohlenstoffarmer Fahrzeuge einzusetzen.

Die Einführung eines ZEV-Mandats in Kalifornien hat zu einer nachweisbaren Absatzsteigerung von sogenannten „New Energy Vehicles“ (NEVs) – Fahrzeuge, welche alternative Brennstoff- und Elektrifizierungstechnologien nutzen – und merklich gestiegenen Investitionen in die benötigte Infrastruktur geführt. Chinas Präsident Xi Jinping hat Elektrofahrzeuge im letzten Jahr zu einem notwendigen Element für das Vorankommen der heimischen Automobilindustrie erklärt. Der neue Plan „Made-in-China 2025“ verankert Energieeffizienz und Elektromobilität als einen von zehn Schlüsselsektoren, welchen in den kommenden zehn Jahren Prioritäten bei Forschung und Entwicklung eingeräumt werden. Ebenso wurden in den letzten zwei Jahren zahlreiche nationale und lokale Initiativen zur NEV-Förderung eingeführt. Chinesischen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft ist bewusst, dass finanzielle Subventionen keine langfristige Lösung für die Etablierung des gewünschten Marktes darstellen. Dementsprechend werden nun auch verstärkt angebotsorientierte Anreize ins Auge gefasst.

Ein potenzielles chinesisches ZEV-Kreditprogramm könnte zuerst auf lokaler Ebene in einigen ausgewählten Städten gestartet werden. Dieser Ansatz hätte den Vorteil, individuell angepasst den spezifischen Charakteristiken und Herausforderungen der jeweiligen Stadt gerecht zu werden. Dies würde zwangsläufig auch dazu führen, dass lokale Akteure stärker in den Gestaltungs- und Implementierungsprozess mit eingebunden würden. Im Falle Chinas würde sich somit die Gelegenheit bieten, einen inklusiven Designprozess zu wählen, der alle relevanten Sektoren und Akteure einschließt. Eine dezidierte Arbeitsgruppe wäre damit in der Lage, für offene und kurze Kommunikationswege, die nötige Transparenz, Simplizität und Expertise zu sorgen. Der regionale Fokus des Programms könnte darüber hinaus an bestehende lokale Verkaufszahlen gekoppelt werden, um den Zusammenhang zwischen lokaler Luftqualität und Mandatsverpflichtungen zu repräsentieren.

Als zweiter Sprecher gab Dr. Wang Tao, Resident Scholar des Energie- und Klimaprogramms des Carnegie-Tsinghua Center for Global Policy, den Teilnehmern einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen von NEVs in China und bot zahlreiche Einblicke in Empfehlungen für künftige Politikmaßnahmen und Förderstrategien.

Chinas extensive Förderung von Elektrofahrzeugen bietet der Volksrepublik drei zentrale Vorteile. Durch die Förderung von Elektromobilität wird das Land weniger abhängig von den ohnehin kontinuierlich wachsenden Ölimporten, was die Energiesicherheit nachhaltig steigert. Zweitens werden in urbanen Ballungszentren weniger lokale Emissionen durch den schnellwachsenden Verkehrssektor verursacht. Als dritter Grund ist der industriepolitische Vorteil zu nennen, der China als Vorreiter im Bereich der emissionsarmen Mobilität zugutekommen würde. Demnach sollen bis zum Jahr 2020 nach Ansicht der Regierung 5 Mio. NEVs auf Chinas Straßen unterwegs sein.

Großangelegte staatliche Förderinitiativen starteten bereits im Jahr 2001 mit dem “National High-Tech Research & Development Program“. Das „10 Cities, 1.000 Vehicles“-Programm hat im Jahr 2009 sechs Pilotstädte designiert, um Käufe kohlenstoffarmer Fahrzeuge finanziell zu unterstützen. Der Taxisektor bot sich dabei im Besonderen für eine gezielte Förderung an. Die Ergebnisse aus den Pilotstädten variieren dabei jedoch. Während beispielsweise in Peking und Shanghai von privater Seite aus kaum Käufe der neu eingeführten NEV-Taximodelle getätigt werden, haben sich die neuen elektrobetriebenen Taxis in Hangzhou, möglicherweise auch bedingt durch hohe finanzielle Subventionen von bis zu 20.000 USD (18.300 EUR), im Straßenbild durchgesetzt. Insgesamt bieten die Pilotstädte neben rein finanziellen Anreizen beispielsweise auch Ausnahmen bei den Lizenzregistrierungslotterien in Peking oder der Registrierungsauktion in Shanghai an. Die ambitionierten Ziele in den Projektstädten konnten in den meisten Fällen jedoch nicht erreicht werden. Dies ist jedoch nur teilweise durch Technolo­gielücken oder nachziehende Innovationskapazitäten erklärbar. Vielmehr besteht ein konkretes Angebotsdefizit im Infrastrukturbereich sowie ein Impetus auf dem Kauf- und weniger dem Nutzenaspekt von NEVs. Bedingt durch immense öffentliche Subventionen hat sich zudem kein wirklich wettbewerbsfähiger Markt für kohlenstoffarme Mobilität bilden können, der mit herkömmlichen Fahrzeugen konkurrieren könnte.

NEV-Absatzzahlen haben vor allem im Jahr 2014 stark zugenommen. Allein im vierten Quartal des Jahres konnten fast 40.000 Fahrzeuge verkauft werden, was ungefähr 50 Prozent des Jahresabsatzes ausmachte. Dies kann durch das Aussetzen der Fahrzeugsteuer bei NEVs erklärt werden, da diese in China traditionell höher ausfällt. Dieser Trend hält auch in diesem Jahr an und Umsätze aus der ersten Jahreshälfte 2015 haben bereits annähernd die Absatzzahlen aus dem Vorjahr erreicht. Mit annähernd 30 Prozent aller Absätze ist Shanghai der wichtigste Markt. „Plug-in Hybrid Electric Vehicles“ (PHEV), welche auch mit herkömmlichem Treibstoff betrieben werden können und somit nicht zwingend auf eine flächendeckende Ladeinfrastruktur angewiesen sind, dominieren den Markt der ostchinesischen Küstenstadt. Allein in der ersten Jahreshälfte 2015 konnten fast 15.000 NEVs verkauft werden, ein Anstieg von fast 900% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Insgesamt ist Chinas Markt für kohlenstoffarme Fahrzeuge noch in erheblichem Maße von finanziellen Subventionen und wohlwollender Förderpolitik abhängig. Neben Infrastrukturdefiziten ist insbesondere das Fehlen eines kohärenten und wirtschaftlich soliden Geschäftsmodells für die Etablierung eines funktionierenden Marktes ein zentrales Hindernis. Dementsprechend bedürfte es einer „Exit-Strategie“ für öffentliche Subventionen hin zu vermehrt marktbasierten Anreizen.

In der anschließenden Diskussion zeichneten die Teilnehmer ein insgesamt positives Bild der bisherigen Entwicklung von NEVs in China. Trotz Defizite im Bereich des Infrastrukturausbaus und marktbasierter Anreizmechanismen bietet der chinesische Markt für emissionsarme Fahrzeuge großes Potential für Wachstum und Investitionen. Eine Frage, die viele Teilnehmer beschäftigte, betrifft die Realisierungschancen eines ZEV-Kreditmarkts in China. Bei den Teilnehmern herrschte Konsens darüber, dass die Fragen nach bindenden Strafmaßnahmen bei Nichteinhaltung des Mandats sowie nach einem umfangreichen Gesetzestext, welcher das Mandat letztlich etabliert und legislativ verankert, zwei Kernpunkte eines zukünftigen chinesischen ZEV-Kreditmarkts darstellen sollten. Darüber hinaus wurde auch die Frage diskutiert, ob von privatwirtschaftlicher Seite genug Kapazitäten bereitgestellt werden, um NEVs im innerstädtischen Verkehr nachhaltig zu fördern. Hierbei wurde auf die Vorreiterrolle der chinesischen Ministerien verwiesen, welche in beträchtlichem Maße in die nötige Infrastruktur investiert haben. Ebenso wurde auf die erleichterten Maßnahmen zur Beantragung von Ladestationen der Pekinger Lokalregierung eingegangen, die kürzere Antragsverläufe mit sich bringen. Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung von NEV-Absatzzahlen und der potenziellen Etablierung eines ZEV-Kreditmarktes bleibt das Thema Elektromobilität in China also weiterhin spannend.

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Emissions Reduction Potential of the Chinese Carbon Market (April 2015)

Um einen Austausch zum Status der chinesischen Pilot-Emissionshandelssysteme (EHS) in Nordchina zu ermöglichen, lud die AHK Greater China Beijing am 24. April Unternehmensvertreter, Investoren und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem das Emissionsminderungspotenzial der bisher entwickelten Instrumente beleuchtet wurde. Im Rahmen des Meetings stellte Song Ranping vom World Resources Institute die kürzlich veröffentlichte Studie „Greenhouse Gas Impact Assessment“ vor und ging dabei näher auf das EHS in Beijing ein. Der zweite Sprecher, Prof. Sun Zhenqing, von der Tianjin University of Science and Technology berichtete über Erfahrungen des EHS in der regierungsunmittelbaren, nordchinesischen Stadt Tianjin. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Carbon Market-Projekts statt, welches durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert wird.

In den verschiedenen Pilotprojekten testet die chinesische Regierung derzeit die Einführung eines landesweiten EHS, dessen Implementierung im kommenden 13. Fünfjahresplan (2016-2020) geplant ist. Dabei unterscheiden sich die insgesamt sieben Pilotregionen untereinander teilweise deutlich: So lässt beispielsweise die Emissionshandelsbörse in Tianjin ausschließlich im EHS registrierte Teilnehmer zum Handel zu, also solche, die dazu verpflichtet sind ihre Emissionen durch Zertifikate zu decken. Außerdem werden beispielsweise in Beijing und Tianjin die CO2-Emissionsraten festgestellt, um zu bestimmen, welche Unternehmen im lokalen EHS registriert werden. Im EHS in Hubei wird dafür der Energieverbrauch herangezogen. Letztendlich unterscheiden sich die Piloten in ihren Allokationsverfahren, welche in China, im Gegensatz zum europäischen EHS, auf dem so genannten „Grandfathering“ basieren. Dabei wird der CO2-Ausstoß über einen bestimmten Zeitraum in der Vergangenheit betrachtet, um ein generelles CO2-Limit festzulegen.

Als eines der insgesamt sieben Pilotprojekte startete Beijing im Jahr 2013 mit der Implementierung eines lokalen EHS, welches sowohl direkte als auch indirekte Emissionen des Stromverbrauchs mit einrechnet. Die Pilotphase endet im Laufe dieses Jahres und dient dem Sammeln von Erfahrungswerten für den Aufbau eines nationales EHS. Dabei nehmen in Beijing mehr als 500 Institutionen aus sechs unterschiedlichen Sektoren teil. Bereits am ersten Tag der Eröffnung betrug das Handelsvolumen an der China Beijing Environment Exchange (CBEEX) knapp 41.000 Tonnen CO2. Mit insgesamt rund 1,1 Millionen Tonnen (7%) gehört die CBEEX zwar nicht zu den größten Emissionshandelsbörsen Chinas, konnte aber mit rund 58 CNY pro Tonne (ca. 8,60 EUR) den höchsten Durchschnittspreis erzielen. Insgesamt betrug das Handelsvolumen knapp 64 Millionen CNY (ca. 9,5 Mio. EUR). Laut Song tragen die teilnehmenden Kraftwerke in Beijing mit 2,3% aufgrund ihrer bereits relativ hohen Effizienz nur wenig zu den erhofften CO2-Reduktionen bei. Die Nachfrageseite ist im Zeitraum von 2013 bis 2015 somit für 97,7% der Reduktionen verantwortlich. Mit 97,5% war die Compliance-Rate in Beijing zwar hoch, lag aber unter den Raten von beispielsweise Shanghai (100%) oder Shenzhen (99,4%). Die Untersuchungen des WRI zeigen, dass das EHS in Beijing zu CO2-Reduktionen von 0,41 Mt in 2013, 1,55 Mt in 2014 und 2,9 Mt im Jahr 2015 führen könnte, bzw. geführt hat. Insgesamt ergibt das eine CO2-Reduktion von insgesamt 4,86 Mt über den genannten Zeitraum.

Mit rund 12,7 Tonnen CO2 im Jahr stößt die Region Tianjin pro Kopf gesehen deutlich mehr Kohlendioxid aus als beispielsweise Beijing oder Shanghai. Das Pilotprojekt in Tianjin ist im Dezember 2013 fast zeitgleich mit dem in Beijing gestartet und lässt sich deshalb relativ gut vergleichen. Insgesamt nehmen 70 individuelle und vier institutionelle Organisationen teil. Mit einem Preis von rund 40 CNY pro Tonne CO2 (ca. 6 EUR) sowie einem Transaktionsvolumen von etwas mehr als einer Million Tonnen (7%) und knapp 21 Millionen CNY (ca. 3,1 Mio. EUR) zählt der Pilot in Tianjin zusammen mit Chongqing und Beijing zu den vergleichsweise kleineren Projekten. Die niedrigste aller Compliance-Rate von 96,5% führt Sun auf die schwierigen regulatorischen Gegebenheiten zurück. So gibt es beispielsweise keine Strafzahlungen bei einer unzureichenden Anzahl an Zertifikaten. In anderen Pilotprojekten werden dafür bis zu 500.000 CNY (knapp 75.000 EUR) fällig. Darüber hinaus ging Sun auf die Chancen für teilnehmende Unternehmen ein. So ist zu erwarten, dass das Marktvolumen allein in Tianjin in den kommenden Jahren auf zehn Milliarden CNY (ca. 1,5 Mrd. EUR) steigen könnte. Hier bieten sich laut Sun für ausländische Unternehmen sowohl im Dienstleistungs-, als auch im Industriebereich aussichtsreiche Marktchancen.

Beiden Pilotsystemen ist gemein, dass sie die China Certified Emission Reductions (CCERs) als komplementären Offset-Mechanismus am sekundären Markt zulassen. Diese können von nicht in den EHS registrierten Unternehmen und Projekten generiert und anschließend landesweit gehandelt werden, wenn diese durch die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) zertifiziert werden. Allerdings ist der Handel relativ ungleich zwischen den Piloten verteilt: So lassen die Handelsbörsen in Tianjin nur einen Anteil von 10% CCERs an der Gesamtallokation von Emissionsrechten zu – in Beijing sind es lediglich 5%. Song hob allerdings hervor, dass – zumindest in Beijing – das Risiko eines Überangebots von Offsets selbst bei nur 5% aktuell relativ hoch ist.

In der anschließenden Diskussion zeichneten die Teilnehmer ein positives Bild der bisher abgeschlossenen Pilotphase: Die Projekte in Beijing und Tianjin entwickelten sich zwar unterschiedlich schnell, zeigten zugleich aber überraschend hohe Compliance-Raten. Während es auf der einen Seite um grundsätzliche Fragen ging – zum Beispiel ob ein EHS generell das richtige Instrument für China ist, bestand zwischen den Teilnehmern Konsens, dass der Einsatz zusätzlicher Instrumente wie Carbon Tax und Vorgaben (Coal Cap) zur Erreichung von ambitionierten Emissionsminderungszielen entscheidend sind. Darüber hinaus wurde auch die Frage diskutiert, ob der Elektrizitätssektor aufgrund der niedrigen Reduktionsraten in Beijing überhaupt in das nationale EHS aufgenommen werden soll. Mit Blick auf die künftige Ausweitung des EHS auf weitere Regionen in Nordchina werden auch die erzielten Ergebnisse in Beijing und Tianjin eine wichtige Rolle spielen.

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