Geschäftsklima-Umfrage 2018/19 der Deutschen Handelskammer in China: Gedämpfte Geschäftsaussichten und herausforderndes regulatorisches Umfeld

Beijing/Guangzhou/Shanghai, 27. November 2018 – Gedämpfte Geschäftsaussichten und ein herausforderndes regulatorisches Umfeld prägen das Geschäftsklima deutscher Unternehmen, die auf dem chinesischen Markt tätig sind. Herausforderungen wie Bürokratie und administrative Hürden, Rechtsunsicherheit und unklare regulatorische Rahmenbedingungen sowie langsames und beschränktes Internet bestehen fort. Dennoch bleibt China für die Mehrheit der deutschen Unternehmen ein wichtiger Markt mit guten Geschäftschancen.

  • China-Geschäft deutscher Unternehmen zufriedenstellend – Ausblick für 2019 verhalten
  • Deutsche Unternehmen brauchen in unsicheren Zeiten verlässliches und transparentes regulatorisches Umfeld
  • Zuversicht hinsichtlich Marktöffnung gedämpft durch Umsetzungsdefizit angekündigter Reformmaßnahmen

Solide Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage, verhaltene Aussichten für 2019
Nur noch rund 40 Prozent der deutschen Unternehmen bewerten die aktuelle Entwicklung der chinesischen Wirtschaft positiv - ganze 14 Prozentpunkte weniger als 2017. Und der weniger optimistische Ausblick deutscher Unternehmen reicht bis ins kommende Jahr 2019: Fast 30 Prozent erwarten eine sich verschlechternde Entwicklung der chinesischen Wirtschaft. Ein ähnliches Bild setzt sich auf Branchenebene fort: Rund jedes zweite deutsche Unternehmen in China ist noch zufrieden mit dem Wachstumspotenzial in seinem primären Marktsegment. Gleichwohl bewerten die drei größten deutschen Industrien in China - Maschinenbau, Automobilindustrie sowie Unternehmensdienstleistungen - das Jahr 2018 weniger optimistisch und sehen ihre im Vorjahr gesetzten Erwartungen an die Entwicklung ihrer Industrie als nicht erfüllt an. Für 2019 werden keine wesentlichen Verbesserungen prognostiziert. China zählt trotzdem nach wie vor für einen Großteil der Unternehmen zu den drei Top-Märkten. Der Anteil derer, die China als Top-1 Markt ansehen, steigt im Vergleich zum Vorjahr und zwei Drittel der befragten Unternehmen planen in den kommenden zwei Jahren weitere Investitionen.

Deutsche Unternehmen brauchen verlässliches und transparentes regulatorisches Umfeld
Im Spannungsverhältnis zwischen enormen Marktchancen, einem herausfordernden regulatorischen Umfeld und wachsendem Wettbewerb stehen deutsche Unternehmen auf dem chinesischen Markt nach wie vor verschiedenen Herausforderungen gegenüber: Bürokratie und administrative Hürden, Rechtsunsicherheit und unklare regulatorische Rahmenbedingungen sowie langsames und beschränktes Internet werden von den Befragten als regulatorische Hindernisse bewertet. Für eine Mehrheit der Unternehmen bleiben steigende Personalkosten sowie das Rekrutieren und Halten von qualifizierten Fachkräften unverändert große unternehmerische Belastungen. Rund 30 Prozent der Befragten, die in den kommenden zwei Jahren nicht planen zu investieren, führen regulatorische Intransparenz und unzureichende Planungssicherheit als Gründe dafür an. Chinas „Made in China 2025“-Strategie ist eine große Chance für die gemeinsame Geschäftsentwicklung, aber intransparente Rahmenbedingungen und Förderungen sowie die Bevorzugung chinesischer Firmen hemmen eine dynamische Zusammenarbeit deutscher und chinesischer Partner. Die kontinuierliche Arbeit an einem verlässlichen und transparenten regulatorischen Umfeld kann für ein vorteilhafteres Investitionsklima sorgen, sodass die bestehenden Marktchancen weiter ausgeschöpft werden können.

Umsetzungsdefizit angekündigter Reformen
Vor 40 Jahren begann Chinas Öffnung, die zu einer beispiellosen und erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung zum Nutzen ausländischer und chinesischer Unternehmen gleichermaßen geführt hat. Rund 50 Prozent der befragten Unternehmen glauben an das Bekenntnis der chinesischen Regierung zur weiteren Marktöffnung. Jedoch bleibt die aktuelle Marktöffnungsrhetorik der letzten Monate in der Umsetzung hinter den Erwartungen der deutschen Unternehmen in China zurück: Bei notwendigen Wirtschaftsreformen, der Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für ausländische Unternehmen, der Reform der staatlichen Betriebe sowie bei der Liberalisierung des Finanzsektors bewertet rund jeder zweite Befragte die Anstrengungen der chinesischen Regierung als unzureichend. Mit den Bemühungen beim Thema Rechtsstaatlichkeit sowie der Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen sind rund 45% der befragten deutschen Unternehmen in China unzufrieden.

An der diesjährigen Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China nahmen zwischen dem 27. August und 22. Oktober insgesamt 423 deutsche Unternehmen in China teil.

 

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