Netzwerktreffen – Messung und Verifizierung von Emissionen im nationalen Emissionshandelssystem

06.04.17 Environment

Econet Monitor, Ausgabe April 2016

Auf Grundlage der Erfahrungen aus den bestehenden sieben Pilotprojekten in den Städten Peking, Tianjin, Shanghai, Chongqing und Shenzhen sowie den Provinzen Hubei und Guangdong hat die chinesische Zentralregierung den Start eines chinaweiten nationalen Emissionshandelssystems (EHS) für 2017 angekündigt. Gemäß der National Development and Reform Commission (NDRC) sind damit auch zahlreiche Industrieunternehmen zur Messung, Überwachung und Berichterstattung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet. Emissionsdaten werden in Zukunft von unabhängigen chinesischen Prüfstellen verifiziert, die jeweils von den lokalen DRCs benannt werden. Dementsprechend ist es für Unternehmen und deren zuständige Mitarbeiter entscheidend, sich frühzeitig für Chinas bevorstehendes EHS vorzubereiten. Sie müssen lernen, ihren Emissionsausstoß zu messen und sich mit den Anforderungen der künftigen Berichterstattung im Rahmen des nationalen EHS vertraut machen.

Vor diesem Hintergrund lud die AHK Greater China Beijing im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) am 22. August Firmenvertreter und Experten zu einem Netzwerktreffen ein, bei dem mit zwei ausgewählten Referenten über die Berechnung und Kontrolle von Emissionen in Industrieunternehmen sowie das im chinesischen EHS vorgesehene System zur Überwachung, Berichterstattung und Prüfung (Measurement, Reporting and Verification; kurz MRV) von Emissionen diskutiert wurde.

Zu Beginn des Treffens informierte Tian Pin von Bureau Veritas über die grundsätzlichen Voraussetzungen zur Aufnahme von Unternehmen in das nationale EHS: Gemäß NDRC sind Unternehmen betroffen, die in den acht Sektoren Energie, Mineralölverarbeitung, Chemie, Baumaterialien, Stahl, Nichteisenmetalle, Papierherstellung sowie dem Luftfahrtsektor tätig sind, und deren Energieverbrauch 10.000 Tonnen Standardkohlenäquivalent in einem oder mehreren Jahren im Zeitraum 2013-2015 überschritt. Wie bereits bei den Pilotprojekten werden damit auch ausländische Unternehmen, die über hohe CO2-Emissionsraten verfügen und in besonders energieintensiven Sektoren verortet sind, in das nationale EHS mit eingeschlossen, wenn sie die festgelegten Kriterien erfüllen. Neuerungen im EHS betreffen auch die Fristen: In der Vergangenheit mussten Unternehmen und Anlagenbetreiber ihre Emissionsberichte zu einer bestimmten Deadline im ersten Quartal des Jahres einreichen, nunmehr sind die Fristen über das ganze Jahr verteilt, in Abhängigkeit vom jeweiligen Industriesektor.

Im weiteren Verlauf des Fachvortrags stellte Tian empfohlene Methoden und Schritte zur Emissionsberechnung vor und betonte gleichsam die Notwendigkeit einer geregelten und zuverlässigen Vorgehensweise bei der Quantifizierung, unter Berücksichtigung der Emissionsfaktoren unterschiedlicher Energieträger. Um sich zielgerichtet auf das nationale EHS vorzubereiten, sollten Unternehmen auch auf die kürzlich erscheinenden offiziellen Schulungsunterlagen der NDRC, die unter anderem von UNDP finanziell unterstützt wurden, zurückgreifen, so der Experte.

Als zusätzliche Alternative für die anfängliche Erfassung von Emissionen bei der Herstellung eines Produkts und die Quantifizierung zu einem späteren Zeitpunkt verwies Tian Pin auch auf die weltweit anerkannten Standards PAS 2050 und ISO 14064. Dabei wird der Ausstoß von gefährlichen Treibhausgasen vom Ressourcengewinn über die gesamte Produktionskette bis hin zum Verbrauch und den Abbau überprüft und durch das Unternehmen verursachte direkte oder indirekte Emissionen berücksichtigt.

Im Anschluss gab Zhang Lixin vom China Quality Certification Center (CQC) den knapp 30 Teilnehmenden der Veranstaltung einen Überblick über das künftige, im nationalen EHS vorgesehene MRV-System. Sie bot dabei auch eine vergleichende Analyse mit den diesbezüglich bestehenden Systemen in der EU und den USA.

In China sind die NDRC und die lokalen DRCs für MRV im EHS zuständig: NDRC entwickelt die entsprechenden Richtlinien, während die DRCs für die Auswahl der Verifizierungsstellen und den Ablauf der Verifizierung verantwortlich sind. Das CQC ist eine von 29 Einrichtungen, die von Beijing DRC offiziell als Prüfstelle akkreditiert wurden und arbeitet zurzeit in einem Projekt gemeinsam mit der World Bank an der weiteren Entwicklung und Verbesserung des MRV-Systems, das künftig im nationalen EHS Einsatz finden wird. Dabei sollen auch die bisherigen Erfahrungen in China berücksichtigt werden, die laut Zhang zeigen, dass zuverlässige Daten nur dann erhalten werden können, wenn die Verifizierung effektiv, das Berichtsystem einfach gestaltet und die Richtlinien für Monitoring und Reporting akkurat sind. Detailliertere Anleitungen für die Erfassung von Treibhausgasen, den Datenbericht sowie zur Verifizierung wurden bereits entwickelt und in drei unterstützenden Dokumenten festgehalten. Die Verifizierung selbst durchläuft wie international üblich einen dreiteiligen Prozess, in dem zunächst eine Vorbereitungsphase vorangeht, bevor in der Implementierungsphase Dokumente überprüft sowie Unternehmensstandorte und Anlagen besichtigt werden. In einem dritten Schritt wird dann der Bericht vom akkreditierenden Prüfer fertiggestellt.

Im Rahmen des Vortrags verglich die Expertin des CQC auch das chinesische MRV-Verfahren mit dem europäischen System, deren Unterschiede besonders für ausländische Firmen interessant sind, die beispielsweise bereits am EU-EHS teilnehmen. Beim MRV der EU müssen Verifizierungsstellen spezielle Kriterien erfüllen, beispielsweise bei der Einrichtung eines angemessenen Qualitätsmanagementsystems oder von Mechanismen um Unabhängigkeit und Objektivität zu wahren. Auch China orientiere sich an diesen Voraussetzungen für die eigenen Verifizierungseinrichtungen. Die geforderte berufliche Qualifikation der chinesischen Prüfer sei darüber hinaus laut Zhang auch mit den entsprechenden Voraussetzungen des MRV-Systems im US-Bundesstaat Kalifornien vergleichbar.

In der anschließenden Diskussion standen vor allem das geplante MRV-System, die Verifizierungsorgane sowie der weitere Bedarf an Ausbildung und Kapazitätsentwicklung zur Vorbereitung auf das nationale EHS im Vordergrund. So wurde über die Relevanz und die genaue Ausgestaltung des MRV-Systems diskutiert, das eine glaubwürdige und robuste Datengrundlage zur Ermittlung von Emissionen liefern soll, um die Funktionsfähigkeit des chinesischen Emissionshandels und den Erfolg der damit verbundenen Minderungsmaßnahmen sicherzustellen. Gerade die externen Prüfungsstellen waren im Rahmen der Diskussion auch von großem Interesse für die Teilnehmer, da ihre Arbeitsweise bei der Verifizierung der Daten, ihr Einfluss auf die Entscheidungen der Behörden und ihre interne Struktur derzeit noch wenig transparent gestaltet sowie bislang keine ausländischen Prüfer zugelassen sind. Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass neben der genauen Erhebung von Emissionsdaten auf Unternehmensebene insbesondere auch weitere institutionelle Vorbereitungen auf Seiten der Behörden entscheidend sein werden, damit das landesweite MRV-System künftig erfolgreich im Rahmen des nationalen EHS umgesetzt werden kann. In diesem Zusammenhang sollten sowohl Unternehmen als auch die zuständigen Behörden und externen Prüfungsinstitutionen noch besser qualifiziertes Personal ausbilden. Rückblickend konnten die Vorträge sowie die Diskussionsrunde neben der Klärung von offenen Fragen auch zu einer allgemeinen Sensibilisierung des Themas beitragen.

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