Elektromobilität in China – Delegationsreise nach Peking und Shanghai

30.11.16 Politics

Econet Monitor, Ausgabe November 2016

Um Unternehmen bei der Erkundung des chinesischen Marktes für Elektromobilität zu unterstützen und Marktmöglichkeiten vor Ort aufzuzeigen, organisierte die AHK Greater China Beijing vom 31. Oktober bis 3. November 2016 eine Delegationsreise in die Städte Peking und Shanghai. Die Reise fand im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten „EMOChina“-Projekts statt und richtete sich insbe­sondere an Unternehmen aus dem deutschen Mittel­stand, die einen Grundstein für den Markteintritt in China im Bereich der Elektromobilität legen wollen.

Im Zuge der Reise wurden Einzelunternehmen, Fir­mennetzwerke sowie Forschungseinrichtungen und staatliche Stellen besucht, die als Kooperationspart­ner für kleine und mittelständische Unternehmen aus Deutschland in Frage kommen können. Weitere zentrale Bestandteile der Reise stellten die Besichti­gung von Anwendungsbeispielen für Elektromobilität und der Besuch einer Leitmesse in diesem Bereich in Shanghai dar. Im Rahmen des Programms wurden die insgesamt zwölf deutschen Teilnehmer über die Möglichkeiten des chinesischen Marktes informiert und Kontaktanbahnungen mit Anbietern und Experten direkt vor Ort unterstützt. In Verbindung mit der Reise wurde ein Leitfaden erstellt, der den Markt für Elektromobilität in China beschreibt und Empfehlun­gen für den Zugang zusammenfasst.

Den offiziellen Auftakt der Reise bildete ein Briefing in Peking zur wirtschaftlichen Lage und zu Elektromobilität in China durch Mike Hofmann und Bernhard Felizeter von der AHK Greater China Beijing am 31. Oktober vormittags. Am Nachmittag konnten die Teil­nehmer durch Meetings mit dem Electrical Engineering Department der Tsinghua Universität und dem staatlichen Netzbetreiber State Grid bereits umfas­sende Informationen über Chinas Pläne und Ent­wicklungen bei der Lade- und Netzinfrastruktur für Elektrofahrzeuge gewinnen: So sollen bis zum Ende des aktuellen Fünfjahresplans (2016-2020) insgesamt 12.000 Lade- bzw. Wechselstationen und 4,8 Mil­lionen Ladesäulen entstehen, um die bis dahin ge­plante Zahl von fünf Millionen Elektrofahrzeugen zu versorgen. Die anschließende Besichtigung einer Ladestation von State Grid bot weitere interessante Ein­blicke und rundete die Meetings des ersten Tages ab.

Nach einem Abendessen gemeinsam mit Dr. Thomas Meurers vom Verband der Automobilindustrie (VDA) in China, besuchte die Delegation am darauf folgenden Tag das China Automotive Technology and Research Center (CATARC), das die chinesische Regierung unter anderem bei der Entwicklung von Standards im Automobil- und Elektromobilitätssektor unterstützt. Experten von CATARC konnten den Teilnehmern die Strategien und bisherige Entwicklung der chinesischen Branche für New Energy Vehicles (NEVs) näher bringen: Während die NEV-Produktion in China im August 2016 eine Stückzahl von mehr als 700.000 Fahrzeugen erreichte, entspricht der Anteil von NEVs an der Gesamtzahl der verkauften Fahrzeuge derzeit noch weniger als zwei Prozent. Im Rahmen des strategischen Modernisierungsplans „Made in China 2025“ legte die chinesische Regierung deshalb bereits fest, dass NEVs bis zum Jahre 2020 fünf Prozent und bis 2025 sogar 20 Prozent der insgesamt verkauften Fahrzeuge ausmachen sollen. Im Anschluss an das Meeting mit CATARC bot sich den Teilnehmern der Reise die Gelegenheit, sich mit Vertretern der Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC), einem füh­renden chinesischen Hersteller von Elektroautos und -taxis, auszutauschen. Im Rahmen einer exklusiven Besichtigung der Ausstellungs-und Referenzhalle für Elektrofahrzeuge von BAIC im Süden von Peking, konnten sich die Teilnehmer näher über technische Trends und Herausforderungen bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen in China informieren.

In Shanghai besuchte die Delegation die Messe „New Energy Auto Show“ (NEAS). Im Anschluss an einen ge­führten Rundgang durch den Messeveranstalter, bot sich die Gelegenheit zu individuellen B2B-Meetings mit chinesischen Unternehmen, die durch Mitarbeiter der AHK Greater China begleitet wurden. Ein Highlight stellte die aktive Teilnahme der deutschen Delega­tion am „Fuel-efficient and New Energy Auto Summit 2016” der NEAS dar, auf dem die teilnehmenden Firmenvertreter ihre innovativen Lösungen und Konzepte im Kontext Elektromobilität dem chinesischem Fachpublikum vorstellten. Dabei bildeten Themen wie Solarstraßen, Produktions- und Softwarelösungen, Komponenten, Brennstoffzelltechnologien, Veranstal­tungen sowie Dienstleistungen einen Schwerpunkt.

Am vierten und letzten Tag der Unternehmerreise in­formierte Corinne Abele von Germany Trade & Invest (GTAI) Shanghai die Teilnehmer über Entwicklungstrends in Chinas Kfz- und Elektromobilitätsmarkt: So wachse der chinesische Kfz-Markt derzeit weiter, insbesondere durch einen Absatzboom bei SUVs und aufgrund von steuerlichen Anreizen. Darüber hinaus gewinne der noch junge Gebrauchtwagenmarkt immer mehr an Bedeutung. Elektromobilität, Auto­nomes Fahren und Connected Cars würden gezielt von der Regierung gefördert und während ausländische Lösungen derzeit gefragt seien, soll der Anteil chinesischer Marken und Hersteller in diesen Bereichen in den kommenden Jahren schrittweise erhöht werden.

Ein weiteres Highlight der Reise stellte das Meeting mit der Shanghai International Automobile City (SIAC) und der Jiading Electric Vehicle International Demonstration Zone dar, einem Bezirk und Cluster für Elektromobilität in China. Ins­besondere die Besichtigung des Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting, Moni­toring and Research Center, das die Daten aller Elektrofahrzeuge und Ladeeinrichtungen der Stadt Shanghai erfasst und Nutzerstudien durchführt, fand großen Anklang bei den Teilnehmern. Darüber hinaus wurden auch die webbasierte Carsharing-Plattform für Elektrofahrzeuge „EVCARD“ der SIAC und das Test Drive Centers der Jiading Electric Vehicle International Demonstration Zone besucht. Den ab­schließenden Programmpunkt der Delegationsreise bildete ein Meeting mit Vertre­tern des New Energy Vehicle Engineering Center der Tongji Universität, einer führenden wissenschaftli­chen Institution im Bereich des Fahrzeugbaus, ein­schließlich der Besichtigung eines Forschungslabors für Elektrofahrzeuge.

Das vielseitige Programm der Delegationsreise mit organisierten Fachvorträgen, Gesprächen und Referenzbesuchen sowie die breite Streuung der Themen ermöglichte es den Teilnehmern, auf vielfältige Weise ihr Wissen über die Marktentwicklung von Elektro­mobilität in China und die damit verbunden Markt­chancen zu verbessern, und Kontakte zu chinesischen Experten und Unternehmen aus unterschiedlichen Gebieten aufzubauen. Die Unternehmerreise konnte damit einen wichtigen Beitrag zur Entfaltung und Vertiefung deutscher Geschäftsbeziehungen im chi­nesischen Elektromobilitätssektor leisten.

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