Pressemeldung: Eingeschränkter Internetzugang behindert die Geschäftstätigkeit und die Entwicklung deutscher Unternehmen in China

30.03.18 AHK China - News-Hauptkategorie, Press Release, Chamber, German Industry & Commerce, Press Statement

Um die Herausforderungen und die Auswirkungen des chinesischen Cybersicherheitsgesetzes auf deutsche Firmen in China besser einschätzen zu können, hat die Deutsche Auslandshandelskammer ein aktuelles Stimmungsbild bei ihren Mitgliedsunternehmen eingeholt.

Beijing/Guangzhou/Shanghai, 31. März 2018 – Der Geschäftsklimaindex der Deutschen Handelskammer in China vom November 2017 hatte ergeben, dass langsamer grenzüberschreitender Internetverkehr und Internetzugangsbeschränkungen zu den zehn größten Herausforderungen für die Geschäfte deutscher Unternehmen in China gehören – Tendenz steigend. Um diese Herausforderungen und die Auswirkungen des chinesischen Cybersicherheitsgesetzes auf deutsche Firmen in China besser einschätzen zu können, hat die Deutsche Auslandshandelskammer ein aktuelles Stimmungsbild bei ihren Mitgliedsunternehmen eingeholt. An der Befragung nahmen zwischen dem 15. und 22. März insgesamt 216 deutsche Unternehmen in China teil. Das chinesische Cybersicherheitsgesetz sorgt bei den Betrieben für Unsicherheit. Auch gibt die große Mehrheit der Unternehmen an, dass der beschränkte Zugang zum Internet und zu internetbasierten Anwendungen sie in ihren täglichen Geschäften in China merklich behindert. Was die Nutzung von VPN-Verbindungen anbelangt: 83 Prozent betrachten VPN-Lösungen für ihre Geschäfte als unbedingt notwendig. Internetzugangsrestriktionen und langsame Internetgeschwindigkeit könnten die Forschungs-, Entwicklungs- und Investitionsaktivitäten der deutschen Unternehmen im chinesischen Markt beeinträchtigen – ohne solche Hindernisse könnte das Engagement der deutschen Wirtschaft im Reich der Mitte sogar noch deutlich höher ausfallen. In Zeiten weltumspannender Digitalisierung und Produktion ist ein ungehinderter Fluss von Daten nach möglichst gemeinsamen internationalen Standards eine Grundvoraussetzung für mehr Arbeitsplätze und Wohlstand. Deshalb sollte das Gespräch zu Digitalisierungsthemen und dem dazugehörigen Regulierungsrahmen zwischen internationalen Partnern wie Deutschland und China vertieft werden.

Große Mehrheit der Unternehmen sieht sich in ihren alltäglichen Geschäften behindert
Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen in China kämpft mit verlangsamter Internetgeschwindigkeit beim Besuch ausländischer Webseiten und beim Transfer von Daten mit dem Ausland. Jedes zweite Unternehmen berichtet außerdem von einer langsameren Verbindung bei der Nutzung von Firmensoftware, wie Enterprise-Resource-Planning-Systemen, und sieht die Funktion dieser Programme dadurch eingeschränkt. Über zwei Drittel der Firmen sehen sich durch die langsamere Verbindung in der Kommunikation mit der Geschäftszentrale oder anderen Standorten im Ausland behindert, nahezu die Hälfte in der Kommunikation mit Kunden und Lieferanten. Was Einschränkungen beim Zugang über das Internet angeht, so erleben 78 Prozent diese beim Zugang zu ausländischen Webseiten, 58 Prozent beim Zugang zu ausländischen Servern und 42 Prozent beim Zugang zu internetbasierter Firmensoftware.

Deutsche Firmen betrachten VPNs und Standleitungen als notwendig für ihre Geschäfte in China
Aktuell nutzen neun von zehn der deutschen Firmen in China ein „virtual private network“ (VPN) oder eine Standleitung (leased line), die meisten von ihnen, um den sicheren Datenaustausch mit der Firmenzentrale zu gewährleisten oder Zugang zum firmeninternen ERP-System in Deutschland zu erhalten. Die Wichtigkeit von VPNs und Standleitungen wird mit der Aussage unterstrichen, dass 83 Prozent der befragten Unternehmen die Nutzung dieser technischen Lösungen für ihre Geschäfte als unbedingt notwendig betrachten.

Chinesisches Cybersicherheitsgesetz führt zu Unsicherheit bei deutschen Unternehmen
Das neue Cybersicherheitsgesetz erzeugt bei den meisten Unternehmen (62%) vor allem Unsicherheit, was die künftige Erfüllung gesetzlicher Bestimmungen angeht. Über 40 Prozent sorgen sich über den möglichen Zugang Dritter zu sensiblen firmeninternen Daten. 37 Prozent erwarten, dass sich die Betriebskosten in China durch das Gesetz wesentlich erhöhen werden. Die Relevanz des Cybersicherheitsgesetztes ist der Mehrheit der deutschen Firmen in China bewusst: zwei Drittel haben die Geschäftszentrale auf die Thematik aufmerksam gemacht und zusätzliche Ressourcen bereitgestellt. Knapp die Hälfte hat ihre bisherige IT-Architektur auf den Prüfstand gestellt und zusätzliche Prozesse wie interne Protokolle eingeführt. Immerhin knapp ein Drittel der Firmen hat seinen Server bereits vom Ausland nach China verlegt. 30 Prozent haben zusätzliche IT Sicherheitssysteme installiert.

Mögliche Auswirkungen
Die ohnehin langsame Internetgeschwindigkeit stellt seit längerem ein Problem für die deutschen Unternehmen vor Ort dar. Die absehbaren Einschränkungen verstärken das Problem. Für 50% der Unternehmen würden sich auch bei Nicht-Auflösung der Internetproblematik keine Änderungen ihrer Aktivitäten in China ergeben. Allerdings würden die geplanten Zugangsverschärfungen die tägliche Arbeit im Unternehmen und zwischen deren internationalen Partnern/Kunden derart erschweren, dass das bereits geplante neue, zusätzliche Engagement neu bewertet werden müsste. Für 39 Prozent der Unternehmen ist das der Fall - viele davon auch im Bereich von Forschung- und Entwicklung. Immerhin würden nur 14% eine Verlagerung ihrer Aktivitäten ins Ausland in Erwägung ziehen. Über ein Drittel der Firmen stellt fest: dass Internetbeschränkungen das Anwerben ausländischer Mitarbeiter in China schon heute erschwert.

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