Maschinen- und Anlagenbau in China


Marktentwicklung und -bedarf


Nach einem für den chinesischen Maschinenbau eher schwierigen Jahr 2012 lief es 2013 wieder besser. So hatte die China Machinery Industry Federation (CMIF) nur ein Wachstum von maximal 10% prognostiziert (in chinesischer Branchenabgrenzung, welche den Kfz-Sektor miteinschließt). Effektiv lagen die Umsatzzuwächse aber mit 12 bis 16% in fast allen Segmenten deutlich über der Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,7%. Spitzenreiter waren die Land- und Forstmaschinen (+16,3%), die Ausnahme bildeten Textil- sowie Bau- und Bergbaumaschinen (jeweils ein Plus zwischen 7 und 8%). Bei Textilmaschinen verringerte sich laut China Economic Information Network (CEIN) sogar die Anzahl der Hersteller, während in allen anderen Bereichen neue Unternehmen hinzukamen. Auch 2014 blickt die Branche insgesamt optimistisch in die Zukunft: Die CMIF erwartet ein Umsatzplus von 10 bis 15% (chinesische Abgrenzung). Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) geht von 7% aus (engere Abgrenzung).




Produktion und Branchenstruktur

Die VR China ist mit Abstand der weltweit größte Maschinenproduzent. Der VDMA beziffert das Umsatzvolumen auf rund 678 Mrd. Euro (2012). Die CMIF erwartet für 2014 ein Produktionswachstum von 10 bis 15%, nach rund 12% im Vorjahr (in chinesischer Abgrenzung). In den einzelnen Abnehmersparten des Maschinenbaus sieht die Entwicklung unterschiedlich aus.

Bau
Im Bereich Bau hat sich die Nachfragesituation wieder verbessert. Der Zuwachs der Immobilieninvestitionen 2013 betrug 19,8%. Tiefbau- und Infrastrukturinvestitionen legten um kräftige 21,2% zu. Hersteller in China produzierten 1,4% mehr Bagger und 6,9% mehr Straßenwalzen als im Vorjahr.

Bergbau
Die Investitionen im Bergbau stiegen 2013 laut National Bureau of Statistics (NBS) um 10,9%. Groß im Kommen ist die Gasförderung. Allein in die Erdöl- und Erdgasförderung wurden 2013 um 23,7% mehr investiert als im Vorjahr. Im Kohlebergbau hingegen gehe es laut National Coal Machinery Association (CMIA) derzeit weniger um den Kauf neuer Maschinen als vielmehr um die Modernisierung bestehender Anlagen - mit entsprechend geringerem Investitionsbedarf. Der Ausstoß von Kohlebergbaumaschinen verringerte sich 2013 um 6,7%. Fördertechnik legte hingegen um 17,3% zu. Die Produktion von Anlagen zur Erdölexploration nahm um 17,8% zu (in Stück).

Nahrungsmittel
In der Nahrungsmittelbranche fiel der Umsatzzuwachs 2013 mit rund 15% doppelt so hoch aus wie derjenige des BIP. Die Anbieter von Nahrungsmittelmaschinen profitieren insbesondere vom Trend zu stärker verarbeiteten und damit aufwendiger verpackten Lebensmitteln. Ebenso unbeeinflusst von Konjunkturschwankungen steigt die Nachfrage nach Arzneimitteln dynamisch.

Automobil
Der Kfz-Absatz zog 2013 mit einem Plus von rund 13,9% auf dem weltweit größten Automobilmarkt wieder kräftig an (2011: 2,5%; 2012: 4,3%). Allerdings ist erneut mit niedrigeren Zuwächsen zu rechnen, da aufgrund der schlechten Luftqualität Restriktionen für den Kfz-Verkehr zu erwarten sind. Dessen ungeachtet weitet die Branche ihre Kapazitäten aus. Vom wachsenden Qualitäts- und Markenbewusstsein und der geringen Preissensibilität der Kunden profitieren vor allem die chinesisch-ausländischen Joint Ventures sowie die Autoimporte.

Landtechnik
In der Landtechnik wuchs beispielsweise der Ausstoß von mittelgroßen Traktoren 2013 um 13,9%. Ein Minus beziehungsweise nur leichtes Plus verzeichneten dagegen Großtraktoren (-1,7%), Futtermittelverarbeitungs- maschinen (-6,1%) und Maiserntemaschinen (+0,9%). Alle drei Bereich hatten noch im Vorjahr um ein Drittel zugelegt. Die Erzeugung von Kleintraktoren stieg um 4,9%.

Werkzeugmaschinen
China ist ein großer Konsument an Werkzeugen und Werkzeugmaschinen. Mittlerweile wurde in China der R&D Bereich stark ausgebaut, wodurch das Potential Chinas in diesem Feld immer größer wird. Die Werkzeug- und Werkzeugmaschinenindustrie spielt bei der Entwicklung der nationalen Wirtschaft eine wichtige Rolle, da es das Fundament der Bauindustrie darstellt. Ohne Werkzeug und Werkzeugmaschinen kann das Land die enormen Bauvorhaben nicht tätigen. Durch das schnelle Wirtschaftswachstum hat sich die Industrie der Werkzeugmaschinen in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. 

Im Werkzeugmaschinenbau ging insbesondere die Fertigung von Gießmaschinen um 8,1% zurück, spanende Werkzeugmaschinen verzeichneten ein Minus von 1,5%. Allein die Erzeugung von spanenden CNC-Maschinen stieg um 2,2%. Umformende Werkzeugmaschinen wiesen ein leichtes Plus auf (0,1%). Werkzeuge zum Schneiden und Spanen kletterten um 9,6% nach oben.

Die Werkzeugmaschinenindustrie teilt sich auf in vier geographische Zonen: 

  • Nordchina (Beijing, Tianjin, Hebei, Shandong Provinz) ist das Zentrum für die Schwerindustrie der Branchen Eisenbahn, Automobil, Luft- und Raumfahrt 
  • Ostchina (Shanghai, Zhejiang, und Jiangsu Provinz) ist das zweitgrößte Cluster in China, welches neue Unternehmen und Unternehmen der High-Techindustrien fördert. 
  • Südchina (Guangzhou, Shenzhen) ist das drittgrößte Zentrum, welches Hersteller der Leichtindustrie fördert. 
  • Zentral- und Westchina (Chengdu, Sichuan, Xinjiang, Qinghai Provinzen) ist das sich entwickelnde viergrößte Cluster in China für die mechanischen und elektrischen Industrien.

 

Neben der rasanten Entwicklung der chinesischen Wirtschaft erweitert sich auch die Stärke der nationalen Importe, was sich auch im großen Bedarf der Automobil-, Raumfahrt- und Luftfahrtindustrie sowie der Entwicklung neuer Technologien im Energiesektor, der Erweiterung des Chinesischen Eisenbahnsystems, der Schiffsbauindustrie, der elektronischen Produktion und anderen Industrien bemerkbar macht. All diese sich schnell entwickelnden Industrien beeinflussten die Nachfrage nach Werkzeug und Werkzeugmaschinen und brachten diese Industrie zu ihrem rasanten Wachstum. Zum Beispiel stimuliert das anhaltende Wachstum der Automobilindustrie in China den Wert der Entwicklung der Werkzeugmaschinen um 40%. Das Eisenbahnnetz in China ist ein zweites Beispiel. Vier vertikale und vier horizontale Eisenbahnlinien durchlaufen Gesamtchina und tragen zum Bedarf der Werkzeugmaschinen um 30% bei. Die Hauptstadt Chinas Beijing stellt allein als drittes Beispiel 600 Milliarden US$ bereit um die neu entwickelnden Industrien finanziell zu unterstützen.

Andere Segmente
Auch die übrigen Segmente vermitteln kein einheitliches Bild: Sehr gut verlief die Produktionsentwicklung bei Verpackungsmaschinen. Ihr Ausstoß nahm 2013 um 14,2% zu. Mäßig bis sehr gut sah es für Ventile (4,1%) und Kompressoren (11,8%) aus. Noch nicht aus der Krise herausgefunden hatte der Bereich Druckmaschinen (-16,9%). Ebenfalls im Minus waren Luftzerlegungs- und Gasverflüssigungsanlagen (-4,0%) sowie Pumpen (-0,4%) und Gebläse (-0,01%).

Außenhandel

Die chinesischen Maschinenimporte (nach Abgrenzung in untenstehender Tabelle) gingen 2013 gemäß chinesischer Zollstatistik um 9,6% auf circa 44,6 Mrd. US$ zurück. Am stärksten waren die Einbrüche bei Werkzeugmaschinen zur Metallverarbeitung (-26,1%) und bei Holzbearbeitungsmaschinen (-19,2%). Allein Pumpen und Kompressoren (+9,4%) sowie Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen (+5,6%) wurden vermehrt aus dem Ausland zugekauft. Für Deutschland ist die VR China dem VDMA zufolge der größte Exportmarkt für Maschinen und Anlagen weltweit.
Laut chinesischer Zollstatistik halten deutsche Lieferungen einen Anteil am Maschinenimport von 27,2%. Zugleich hat sich die VR China auch im Export zu einem internationalen Schwergewicht gemausert. Gemäß VDMA belegte China 2012 nach Deutschland und den USA den dritten Platz. In nicht wenigen Drittmärkten sehen sich deutsche Anbieter in der Folge verstärkt chinesischen Wettbewerbern gegenüber. Während dies gegenwärtig vor allem in Südostasien, Indien und Lateinamerika der Fall ist, dürften künftig Europa und die USA in den Mittelpunkt chinesischer Exportaktivitäten rücken.




Zukünftige Entwicklung

Insgesamt geht der Trend in den chinesischen Produktionszentren angesichts des zunehmenden Mangels an Arbeitskräften (die Anzahl der Wanderarbeiter nimmt ab) und den erheblich gestiegenen Lohnkosten zu mehr Automatisierung. Darüber hinaus sind vermehrt kraftsparende Maschinen gefragt, die sich auch von Frauen bedienen lassen (erweitert das Arbeitskräftereservoir; außerdem verdienen Frauen oft weniger als ihre männlichen Kollegen). Dies führt zu einer stärkeren Nachfrage nach CNC-Maschinen.

Deutsche Maschinenbauer mit Fertigung in der VR China erwarten für 2014 konstante Auftragseingänge oder sogar eine leichte Marktbelebung. Grundsätzlich gelte es, sich den Besonderheiten des Marktes anzupassen. Hierzu zähle, die hohen Qualitätserwartungen chinesischer Kunden an deutsche Maschinen zu erfüllen, die Maschinen aber zugleich auf das nach wie vor geringere "Wartungsverständnis" der Kunden hin auszulegen. Wer mit dem Markt wachsen will, dürfe sich nicht nur auf das High-End-Segment konzentrieren. Sich "mehr zur Mitte hin zu orientieren", lautet die Devise.

Dies bedeutet, Abschied zu nehmen von technisch überdimensionierten Lösungen, die der Kunde nicht benötigt - und für die er auch kein Geld ausgeben möchte. Der Umgang mit der Problematik ist unterschiedlich. Einige Unternehmen bieten verstärkt Einsteigermodelle an. Andere setzen auf eine Zweimarkenstrategie und kaufen bestehende inländische Firmen auf. Darüber hinaus bleibt die Beschaffung der Teile vor Ort zwecks Kostensenkung und Erhöhung der Flexibilität - ein Thema. Auch gelte es, neue Produkte und Anwendungen mit den Kunden zu entwickeln. Künftig dürfte sich der Fokus überdies vermehrt auf das Geschäft mit Teilen, Updates und Service verlagern.

Insgesamt hat sich der Wettbewerbsdruck deutlich verschärft, Preise und Margen sinken. Dies trifft vor allem auf stagnierende oder rückläufige Segmente zu wie Papier- und Druckmaschinen. Aber auch in anderen Bereichen sitzt das Geld nicht mehr so locker wie früher. Zugleich punkten lokale Anbieter nicht nur durch wachsende Schnelligkeit, Flexibilität und niedrigere Preise, sondern zunehmend mit besserer Qualität. Die massiven Anstrengungen, von Lowtech- in Hightechbereiche aufzusteigen, tragen Früchte. Hinzu kommt die allgegenwärtige internationale Konkurrenz. Gerade japanische Maschinenbauer profitieren derzeit von der Abwertung des Yen.

Dessen ungeachtet schätzen die chinesischen Kunden nach wie vor die hohen deutschen Qualitätsstandards und die stabile Genauigkeit von auf deutschen Maschinen erzeugten Produkten. Schwieriger ist die Absatzsituation in Segmenten, in denen die eingesetzte Maschine keinen Einfluss auf die Produktqualität hat. Entscheidend ist - mit Ausnahme von Prestigekäufen: Die Maschine muss das Geld, das sie gekostet hat, in absehbarer Zeit wiedereinspielen.


Lesen Sie mehr hier:

Markteintritt in China im Werkzeugmaschinensektor: 
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Industrie-Information der Germany Trade & Invest (gtai):

 

  

Engineering and Plant Construction

Die Aussichten für den Markt für Maschinen und Anlagen in der VR China für 2014 sind positiv. Trotz des erstarkenden chinesischen Wettbewerbs halten sich deutsche Anbieter beachtlich gut. Lieferungen einzelner Segmente nach China konnten sogar gesteigert werden - trotz insgesamt rückläufiger Maschineneinfuhren. Förderlich wirkt sich unter anderem der anhaltende Trend zur Automatisierung aus. Darüber hinaus gilt es jedoch, sich stärker in mittleren Preissegmenten zu engagieren.

Lesen Sie mehr: Industry Guide Engineering (gtai)

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